Niederdeutsche  Predigten.  353

i  wieset  de  groote  tänen  nicht;  ick  will  jetzunder  etwas  scharp  fortfahren:
hör  du  lichtfardige  vagel,  schendliche  horenjäger,  blodschender,  schelm,
dief,  honsfoth,  bernhüter,  schabhals  und  presterbater,  dat  dy  Gott  strafe
und  alle  unglück  bestah!  Judas;  Pilatus,  Ahab,  Saul,  Kain,  Herodes,
Herodias!  De  lichtferdige  hure,  de  düfel  hot  dat  beste  darvon  gekregen
und  mit  int  höllische  fegeführ  genamen.  Du  kannst  ja  nich  lögnen,  wo  du
herumgesprungen  bist,  sei  tick  beddiglügerig  gewesen  bin.  Du  bist  na  Flensburg
  gefahren  mit  en  ganze  wagen  voll  korn  und  et  för  so  gerioge  prisß
verköft,  dat  du  et  dar  mit  din  nabor  verdörvet  und  sin  handel  geschendet
hest,  dat  he  en  so  gut  kop  verkopen  mut,  als  du  gedan  heffst,  und  darmit
de  Flensborger  den  provit  in  de  ars  gejaget.  Doch  wie  spreken  uns  wol,
wo  wi  wat  leren.

Hörot  wieder  vant  Evangelium,  un  gah  du  tho  karken,  will  din  fru
nicht  mit,  laht  se  tho  hus  bliven  mit  ehr  megede  un  schlammatzer.  Kehr
di  dar  nich  nah:  gah  du  fort,  dat  lieckste  dat  du  sehn  kannst,  loht  de
andre  lange  noch  soheel  sehn.  Hôöre  du  mit  andacht  tho,  denn  idt  kamet
nicht  alle  dage  vor,  vorerst  süh  tho,  dat  du  nicht  in  de  schlap  fallest,
sonst  ward  di  de  düfel  upwaken  recht  tho  degen.

Ick  bin  en  tidtlank  krank  gewesen;  dar  hefst  du,  o  Cott,  nene  schuld
an,  wiel  ick  syivest  idt  darna  makct  hatte:  erstlich  leth  ick  dat  dack  van
dat  presterhus  afwerfen,  dar  woll  ick  gern  de  negste  by  sien  und  mit  tho
kiken,  dewiel  ick  min  dack  scholde  ganz  gedeket  hebben;  ick  hebbe  wunder
  darüm  und  hebbe  allerlei  unzyffer,  schiot  und  dreck  in  mine  ogon,
nese  und  (I  labbo  gekregen.  Darup  hebben  my  gude  lüde  besogt  und  thogespraken,
  ja  nicht  alleen  besogt  und  thogespraken,  sondern  ock  mit  gaven
verehrt  als  hasen,  nicht  een,  sondern  dre  vör  eco,  ock  höner  und  hönereyer,
  anten  und  anteFer,  botter,  fisch,  kese,  söte  und  sure  melk,  grüt
tho  br  und  mohl  tho  panbvokocken.  Se  hebben  my  ock  gut  beer  uth  dem
kroge  geschickt,  dat  is  een  werk  der  barmhertigkeit  und  schall  ju  im  himmel
  tho  degen  belohnt  werden,  als  ick  denn  ock,  wenn  ick  nevens  ju  dar
kame,  ick  ju  dat  getüchniss  gewen  will,  welches  ick  ock  schyldig  bin.

Wieder  averst  darvan  tho  reden,  du  presterhater,  du  presteriendt
und  rechte  Hanhschadonfroh,  da  du  di  aver  mine  krankbeit  gefreuet  heffet
up  de  karkhof,  in  de  wiss,  in  din  huss,  im  kroge,  im  bette  mit  dien  fru
und  magd,  wor  du  gegahn  oder  gestahn  bist,  heffstu  di  over  mine  krankheit
  gelreuet  und  din  bart  mannigmahl  daröver  gewischet  und  gesagt:  „Ey,
heffatu  nicht  gehöret  van  unse  prester  horr  Jürgen,  he  legt  up  dat  bedde
und  is  blindt  und  krank.“  O  dat  di  Gott  straffe  und  all  dat  unglück  hestah,
  dat  jemals  kamen  kann.  Cott  gere,  dat  mine  krankheit  din  grösteste
freude  sy,  de  du  dit  jahr  und  all  din  leevedage  belevest,  avorst  dar  is  ncene
bekehren  und  Parmhertigkeit  in  dy,  welches  man  seen  kan  an  din  bund,
wo  du  damit  umgesprungen  bist,  de  was  gut  und  wol  geschapen,  den  heffstu
de  stert  afgehauen  und  chm  all  sin  ehr  und  zierrath  berovet,  welches  noch

Sach,  Das  Herzogtum  Schleswig.  III.  23