354  E.  Die  Sprache  der  Kirche.

wohl  tho  sehen  ist.  Du  warst  averst  wohl  lohn  davor  krigen,  wo  ick  anders
  watt  mitraden  schall  un  noch  en  erliche  obrigkeit  levet.

Nu  lewen  christen  und  thohörers,  höret  wioder  von  dat  evangelium;
wiest  nu  barmhartig,  gath  flitig  tho  karken,  nicht  avorst  in  de  kaden,  da
se  mit  kannen  klappen.  Wellen  denn  de  ossen  oder  perde  di  von  de  karken
  afholden,  ladt  se  fahron  vor  ehm  düfel  und  vör  hundert,  denn  rüters  und
landsknechte  nehmen  se  doch  weg.  Se  schölen  doch  watt  hebben,  darup
se  in  de  höll  riden  könnten),  und  de  oversten  de  denken  ock  nich  tho  vöte
darhen  tho  gahn.  Sunderlichen  de  hier  nu  mit  ehre  lange  rocken  un  mit
spanische  fratzen  int  landt  kamen  sint.  Will  de  acker  di  von  de  karken
holden,  bemiss  em  nicht,  grav  ehm  nicht,  plöge  und  beseye  ehm  nicht,
gah  du  tho  karken  und  lath  em  liggen,  dat  he  hart  und  dröge  ward  vor
hundert  dusend  düvel,  damit  bewiset  man  en  warck  der  barmhertigkeit  na
dem  hüdigen  evangelio,  denn  de  düvel  un  sin  möhme  sampt  ehre  landsknechte
  freten  doch  da  den  dodt  allen  flöck  und  unglück  darin,  welckes
Gott  gebe.  Amen.

Die  Mißhelligkeiten  zwischen  dem  Herrn  Jürgen  Johansen  und
einem  Teil  seiner  Gemeinde  wurden  erst  nach  langen  Verhandlungen
im  Jahre  1630  beigelegt;  er  wird  demnach  bis  an  seinen  Tod  (1640)
fortgefahren  haben,  in  seiner  derben  niederdeutschen  Weise  zu  predigen.

Hält  man  sich  diese  Art  der  Predigt  vor  Augen,  mag  Herr
Jürgen  auch  nicht  gerade  den  gewöhnlichen  Typus  darstellen,  oder
erwägt  man  das  Verhalten  mancher  Geistlichen  jener  Zeit,  die  die
Zulassung  zum  Abendmahl  dazu  benutzten,  um  in  Streitsachen  wegen
ihrer  Einkünfte  zu  ihrem  Rechte  zu  gelangen,  wie  z.  B.  Detlef  Johannis
  in  Deezbüll,  so  begreift  man  erst,  ganz  abgesehen  von  den
dogmatischen  Gegensätzen  jener  Zeit,  den  bitteren  Fehdebrief,  den  Anna
Owena  Hoyers  im  Jahre  1630  gegen  die  denischen  dörppapen
schleuderte:

Weh  juw  pastoren,  de  schap  gy  biten,
de’'t  kaff  vör’t  koren  ja  gantz  tho  riten,
hobben  genamen:  wo  will  gy  doch  fahren?

mit  juwen  lehren
de  schrifft  verkehren,
wo  will't  juw  bekamen?

Nah  er  fleesch  stah’  gy,
in  er  fell  gah'’  gy,
ehr  melck  gy  drincken.
Gy  dröge  kuhlen,  de  woll'  gy  plücken,
gy  blinde  ulen,  de  huth  affrücken;
wülve  un  bahren:  van  laster  gy  stincken.