Niederdeutsche  Kirchenhandbücher.  355

Packt  juw,  gy  apen,  und  wert  bald  kamen,
gy  Baals  papen,  darna  de  framen,
gy  Hypokriten,  hebben  ein  verlangen.
gy  falsch  propheten!  Alle  welt-  wiesen,
wol  hefft  juw  beten,  de  sik  sülfst  priesen,
dat  volck  tho  beschiten?  möthen  herunder:
Erkennt  de  warbeit,  all  de  Gott  laven
scht  Gades  klarheit,  werlden  erhaven,
dag  is  augangen  dar  wert  men  sehn  wunder!  —

Merkwürdig  ist  es,  wie  gerade  zu  einer  Zeit,  wo  der  Umschwung
zum  Hochdeutschen  bereits  in  den  oberen  kirchlichen  Kanzleien  und  in
den  städtischen  Kirchen  erfolgt  war,  sich  die  niederdeutsche  kirchliche
Literatur  noch  zuletzt  zu  einer  gewissen  Blüte  erhob.  Bisher  waren
sogenannte  Nitualbücher  in  niederdeutscher  Sprache  nur  handschriftlich
verbreitet,  sowie  denn  noch  Cronhelm  1750  „hin  und  wieder“  solche
vorfand.  Die  etwa  von  1600  an  zum  kirchlichen  Gebrauch  eigens  für
die  Geistlichkeit  veröffentlichten  Handbücher  beweisen  vor  allem,  daß  die
niederdeutsche  Kirchensprache  überall  auf  dem  Lande  in  den  ersten  vier
Jahrzehnten  des  Jahrhunderts  noch  unerschütterlich  feststand.  Außer
der  niederdeutschen  Bibelausgabe  v.  J.  1621,  wohl  der  letzten  der
24  niederdeutschen  vollständigen  Lutherbibeln,  von  der  ich  in  Schleswig
  ein  zerrissenes  Exemplar  gesehen  habe,  will  ich  hier  nur  erwähnen
das  „nütte  Handbökeschen“  des  Pastors  Wilhelm  Alardus  in  Krempe,
(1609)1),  das  nach  seinem  Inhalt  auch  von  Laien  gebraucht  werden
konnte,  die  fragestücke,  die  Andreas  Lonerus,  Pastor  in  Garding,
erscheinen  ließ:),  und  unter  den  zahlreichen  Enchiridien  geistlicher  Ge-1)

  Een  nütte  Handbökeschen,  darinne  1.  de  Evangelia  unde  Episteln
der  sondage  unde  gewohnlykesten  Feste  des  Jahres:  Mit  Christlichen  Gebeden,
  so  de  vornehmesten  Lehren  eines  yden  Textes  vermelden.  2.  De
Historia  des  Lyden  Cbristi  Jesu,  mit  angehenden  Gebeden  van  der  Frucht
unde  Nütticheit  disser  Historien.  3.  D.  Mart.  Lutbers  Kleine  Catechismus,
sampt  andächtigen  Gebeden:  Sünderligck  vor  de  sülven,  so  thor  Bichte
unde  thom  b.  Aventmahl  gahn.  4.  Morgen-  und  Avendt  Gebedo  up  alle
dage  in  der  Woken:  ock  andere  Gebede  vör  underscheedelyke  Stände  unde
in  vörfallenden  Nöden.  Hamburg  1609.

2)  Fragestücke  na  anwysinge  des  h.  Catechismi,  in  welcker  de  vör-5nehmesten

  articulen  christl.  lehre  kort  und  schlicht  thosamen  gebracht  —
dörch  Andream  Lonerum  Dithmarso-Cimbrum  1614.
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