362  E.  Die  Svrache  der  Kirche.

das  Hochdeutsche  auf  die  Kanzel  kam;  wir  stellen  im  folgenden  einige
Einzelheiten  zusammen.

In  der  Stadt  Husum  geschah  der  Übergang  bereits  im  Jahre
1617,  also  zu  einer  Zeit,  wo  er  sich  kaum  in  anderen  Städten  sicher
nachweisen  läßt.  Als  die  verwitwete  Herzogin  Augusta  am  8.  Sonntage
  nach  Trinitatis  in  die  Stadtkirche  kam,  nahm  sie  mit  ihrem
ganzen  Gefolge  an  dem  Abendmahle  teil,  wobei  der  Prediger  Petrus
Danckwerth  (1617—52)  und  der  Hofprediger  Fabricius  den  Gottesdienst
  in  hochdeutscher  Sprache  verrichteten.  In  Bordelum  war  Richard
Tileman  (71647)  der  letzte,  der  niederdeutsch  predigte  und  in  derselben
  Weise  wie  Herr  Jürgen  in  Hacksted.  seine  Zuyörer  mit  allerlei
Derbheiten  wie  Borlumer  Pack  zu  erfreuen  pflegte.  In  Viöl  begann
Paul  Fabriclus  (1648—  1703)  im  Jahre  1653  mit  hochdeutscher
Predigt;  Deezbüll  kennt  als  würdigen  Vertreter  des  Niederdeutschen
sicher  noch  den  Pastor  Detlef  Johannis  (1594—  1644),  bekannt  durch
einen  merkwürdigen  Bericht  über  die  Fährlichkeiten  seines  Lebens  in
seiner  eigenen  Gemeinde.  1u)0  In  Hütten  begann  mit  Samuel  Löscher

1)  Pontoppidan,  Annal.  eccl.  IV.  373  teilt  die  Aufzeichnung  in  ihrem
Wortlaut  mit,  freilich,  wie  manche  Wortformen  zeigen,  in  ungenauer  Abschrift;
wer  die  Roheit  und  Gewaltsamkeit  jener  Zeit,  besonders  in  den  westlichen  friesischen
  Landschaften,  kennt,  wird  die  angeführten  Fährlichkeiten  nicht  für  übertrieben
  halten  können;  klagt  doch  auch  Henning  Moller  in  Tolk  (1556)  in  einem
Schreiben  an  den  Propsten  Volquarih  Jonae  über  gewaltsame  Entziehung  des
Pastoratlandes:  secht  men  dar  wat  umme,  drowen  sze  mét(0)  tho  slaende
und  erworgende.  Nur  die  jedesmalige  Nutzanwendung  des  Herrn  Detlef  muß
man  der  Anschauung  der  Zeit  zugute  halten.  Er  berichtet  folgendes:  Nachfolgende
  hebben  my  in  meinem  amte  verfolget  unde  nah  meinem  verderwen
getrachtet.  Verum  deus  mirificavit  me  et  liberavit  me  ex  manibus  eorum.
Jacob  Dirkssen  in  Emsboll  (wo  er  von  1583  —  1593  Diakonns  gewesen  war)
schlog  my  mit  een  tweefork  thor  erden.  Ick  ward  vor  dod  ingedragen,
genass  doch  wedder,  Gottlol!  He  ward  etlike  jahr  darnab  mit  ein  dod  gesteken
  unde  starv  up  den  gemenen  weg  sicut  pecus.  Jens  Volquardsen
wolte  my  mit  meinen  eigenen  spet  erschlagen,  unde  he  ward  von  seinen
eigenen  broder  Jesse  Jensen  tho  dode  gesteken  unde  in  der  Süder  kerkwall
begrawen,  Gott  weet,  wo  de  selc  gefahren.  Peter  Jensen,  Gardruts  mann,
wolde  my  in  Pay  Kösters  huus  ersteken  hebben,  averst  Momme  Paysens
reddede  my.  He  fohr  tbo  schepe  unde  in  unwedder  stöttense  em  over  bord.
He  schlog  de  hände  am  schip  sick  reddende,  do  hauen  se  ehm  beyde  hünde
af.  Anders  Frese,  de  mit  Anken  (der  Frau  des  Geistlichen)  hohrde,  ging