Die  Einführung  hochdeutscher  Kirchensprache.  363

(1659—  70)  hochdeutsche  Kanzelsprache;  wenigstens  predigte  sein  Vorgänger,
  der  1631  angestelll  ward,  noch  niederdeutsch.  In  Ostenfeld
schreibt  zwar  der  Prediger  Diedrich  Petri  (1620  —  70)  in  der  Kirchenrechnung
  1661  hochdentsch;  er  muß  aber  noch  niederdeutsch  gepredigt
haben,  da  erst  seinem  Nachfolger  und  Schwiegersohn  Ingwarus  Petraei
von  der  Herzogin  Marie  Elisabeth,  die  in  Ostenfeld  einen  Landsitz  hatte
und  kein  Niederdeutsch  verstand,  bei  Verlust  seines  Amtes  die  niederdeutsche
  Predigt  verboten  ward.  Dies  wird  in  dieselbe  Zeit  fallen,  wo
der  Superintendent  Sebastian  Niemann  den  Küster  Hans  Lammert  seines
Amtes  entsetzte,  weil  er  nur  auf  niederdeutsch  singen  konnte  (1678).
Von  derselben  Herzogin  wird  berichtet,  sie  habe  das  ihr  gewohnte
Dresdener  Gesangbuch  (1656)  für  ihre  Hoskapelle  eingeführt;  auch  habe
ihr  Hofprediger,  der  Friese  Volckhardus  Paysen,  (1666)  sein  Amt  aufgegeben,
  weil  ihm  das  Hochdeutsche  zu  schwer  fiel;  er  ging  deswegen
nach  Hattsted,  wo  er  bis  an  seinen  Tod  (1679)  seiner  alten  Weise
treu  blieb.

In  manchen  Fällen  läßt  sich  aus  den  Kirchenrechnungen  ein  Schluß
auf  die  Kanzelsprache  machen;  doch  sind  sie  keine  absolut  sicheren  Urkunden
  weder  für  die  deutsche  noch  für  die  dänische  Sprache,  weil  sie
durchaus  nicht  immer  mit  der  Sprache  der  Predigt  übereinstimmen.
Ob  wohl  z.  B.  in  Düppel,  wo  der  Pastor  Johannes  Andreä  von  1582
bis  1595  niederdeutsche  Rechnungen  führte,  jemals  niederdeutsch  gepredigt
ist?  In  den  Städten  ward  noch  mehrere  Jahrzehnte  lang  auf  niederdeutsch
  Rechnung  abgelegt,  als  bereits  hochdeutsche  Predigt  herrschte.
So  wird  es  auch  mehrfach  in  den  Landgemeinden  gewesen  sein.  Im
allgemeinen  dürfte  indes  festzuhalten  sein,  daß  hochdeutschen  Kirchenbüchern
  auch  eine  hochdeutsche  Kanzelsprache  entspricht.

my  nah  mit  een  laden  büssc,  he  verdrunk  ok  in  der  see.  Gardrudt  deede
een  böse  dadt  by  my  im  bedde,  see  verwelkede  als  een  kohl-strunck.  Bane
Brodersen  war  my  etlike  jabr  tho  wedder,  wolde  my  gerne  gantz  verdorwen
hebben.  Ho  ward  jammerlik  erstecken.  Dethlef  Momsen  schlog  my  twe
ribben  in  meine  rechten  side  entwey,  hefft  my  dar  böthe  vor  gedahn.  Wo
idt  ehm  södder  (sedder  —  seit)  de  tidt  gegangen,  gifft  de  erfahring.  Ick
bebt  ehm  vergewen.  O  Jesu,  bescherme  du  my  unde  dino  arme  christenheit,
  da  se  dy  lawen  in  ewigkeit.  Amen.  Vergl.  Schriften  des  Vereins  f.
schesw.-holst.  Kirchengeschichte  II.  II.  3.  S.  405  ff.