364  E.  Die  Sprache  der  Kirche.

In  Brecklum  sind  von  dem  Prediger  Theodor  Mollmann  (71648)
die  Kirchenbücher  zwischen  1643  —  48  hochdeutsch  geführt;  sein  Nachfolger
  Daniel  Luther,  ein  Urenkel  des  Reformators,  hat  sicher  nur
hochdeutsche  Kanzelsprache  gekannt.  Hochdeutsche  Kirchenrechnung  tritt
in  Hollingsted  zum  erstenmal  1645  auf  und  wird  auch  hochdeutsch
von  dem  Generalsuperintendenten  Reinboth  und  dem  Kirchenkommissar
Johan  Adolf  Becker  unterschrieben.  In  Süder-Lügum,  Amt  Tondern,
bediente  sich  1652  zuerst  der  Propst  Stephan  Kenkel  bei  der  Visitation
und  der  Kirchenrechnung  des  Hochdeutschen;  dagegen  führte  der  Prediger
Nicolaus  Claudius  die  Kirchenbücher  von  1682  an  auf  dänisch,  um
dann  seit  1694  zum  Hochdeutschen  überzugehen.

Von  besonderer  Bedeutung  ist  die  Entwickelung  in  Angeln,  wo
im  allgemeinen  damals  die  Volkssprache  jütisch,  aber  daneben  das
Niederdeutsche  als  eigentliche  Amtssprache  jedermann  bekannt  war.
Jensen  erklärt  es  nicht  für  nachweisbar,  daß  hier  jemals  seit  der
Reformation  dänisch  gepredigt  worden  sei;  es  werde  z.  B.  für  Gelting
bestimmt  überliefert,  auch  der  Pastor  Nicolaus  Johannis  (1590  —  1618)
habe  sich  des  Niederdeutschen  bedient,  obwohl  er  ein  geborener  Geltinger
  gewesen  sei.  Andere,  wie  Paulsen  ,  behaupten,  ohne  nähere
Quellenangabe,  die  Gemeinde  habe  im  16.  Jahrhundert  gegen  die  Anstellung
  eines  Geistlichen  protestiert,  weil  er  kein  dänisch  verstehe;  wenn
das  richtig  ist,  so  wäre  damit  für  eine  „dänische“"  Kirchensprache  noch
nichts  bewiesen;  die  Gemeinde  wird,  wie  das  vielfach  vorkommt,  das
billige  Verlangen  gestellt  haben,  daß  der  neue  Prediger  der  Volkssprache
  kundig  sei.  Bis  1621  ist  hier  nach  bestimmten  Zeugnissen
niederdeutsch  gepredigt  und,  wie  ausdrücklich  bemerkt  wird,  nicht  dänisch;
es  scheint,  als  wenn  diese  Zeugnisse  deswegen  ausgestellt  wurden,  weil
der  Antrag  auf  Einführung  von  dänischer  Kirchensprache  gemacht  war.
Wahrscheinlich  ist  hier  erst  durch  den  Pastor  Franciscus  Schröder
(1640  —  1680)  das  Hochdeutsche  auf  die  Kanzel  gebracht.)  In  Struxdorf
  und  Thumby  tritt  auffälligerweise  bereits  1610  —  1615  in  den
Kirchenbüchern  hochdeutsch,  doch  von  fremder  Hand,  nach  1615  wieder

1)  Ch.  Paulsen:  Det  danske  Sprog  i  hertogd.  Slesvig  15.

2)  Jensen  in  Michelsen  und  Asmussen  Archiv  III.  80.  Ich  bemerke  hierzu
noch,  daß  in  der  Geltinger  Kirche  niederdeutsche  Grabinschriften  (1531  und  1534)
für  Clawes  und  Drude  van  Aneselde  erhalten  sind.