Die  Einführung  hochdeutscher  Kirchensprachen.  365

niederdeutsch  auf  und  wird  bis  zur  Rechnung  vom  5.  November  1644
thor  bedröveten  tidt  fortgeführt,  dann  erst  das  Hochdeutsche  allein
herrschend.  Ulsby  und  Fahrensted  kennen  niederdeutsch  in  den  Kirchenbüchern
  bis  zum  Jahre  1644,  um  dann  zum  Hochdeutschen  überzugehen.
Für  die  Gemeinde  Havetoft  sind  wir  etwas  besser  unterrichtet;  hier
kennen  wir  zunächst  einen  Bericht  des  Propsten  Volquarth  Jonae
vom  Jahre  1554  über  seine  Visitation;  er  schreibt:

Dar  is  ock  wat  van  eynen  olden  missale,  darin  allerleye  van  pastoren
und  kercken  grunden  vortekent  iss,  urd  syn  sös  blede,  dorup  van  solcken
guderen  geschrewen  is,  two  blede  syn  loss  und  iss  van  dem  eynen  eyn
weynich  afgereten.  Duth  bock  hebbe  ick  den  kerkswaren  avorantwerdet,  dat
so  idt  vorsluten  scholen,  beth  eyn  prowst  kumpt;  wen  dar  eyn  kerckher
were,  de  densch  konde  und  dar  eyn  iar  edder  lenger  gewest  were,  de  worde
da  allerlepxe  uth  vynden,  dat  underslagen  iss.1)

Aus  diesen  Worten  geht  mit  aller  Sicherheit  hervor,  daß  damals
in  Havetost  keine  dänische  Kirchensprache  war;  dasselbe  beweist  auch
die  oben  mitgeteilte  Bittschrift  des  Kirchengeschworenen  Jes  Schröder.
Demgemäß  wird  auch  das  Kirchenbuch  in  niederdeutscher  Sprache  geführt;
  erst  später  tritt  in  einer  kurzen  Periode  bis  1633  auch  dänisch
auf,  dann  folgt  wieder  niederdeutsch  und  zuletzt  hochdeutsch.  Der
Schluß,  als  wenn  hier  in  einer  kurzen  Zwischenperiode  dänische  Kanzelsprache
  geherrscht  hätte,  ist  um  so  unberechtigter,  als  von  1628  bis
1656  Georg  Knüttel,  ein  geborener  Halberstädter,  hier  Geistlicher  war;
er  scheint  auch  zuletzt  zum  Hochdeutschen  übergegangen  zu  sein.  Fär
die  übrigen  Kirchen  der  Gottorper  Propstei  läßt  sich  infolge  der  Vernichtung
  der  älteren  Kirchenbücher  nichts  Sicheres  feststellen.  Uber  Voren
mag  noch  bemerkt  werden,  daß  die  Inschrift  eines  defekten  Grabkreuzes
des  ersten  lutherischen  Geistlichen  mit  Namen  Johan  Smidt  (71576)
bereits  niederdeutsch  ist.  Für  die  Sprachverhältnisse  in  Tolk  hat  das
Schreiben  des  Pastors  Henning  Moller  (1555)  an  den  Propsten
Volquarth  Jonae  eine  gewisse  Bedeutung?),  wenn  er  von  Pastoratländereien:
  schenn  lanth,  kummen  höy  (kum  Behälter,  Zisterne.

1)  Kirkeb.  S.  IV.  4.  678.

2)  Schriften  des  Vereins  für  schlesw.-holst.  Kirchengeschichte  II.  II.  1.
135  ff.  Der  Text  ist  nicht  überall  in  Ordnung;  ich  bemerke  dazu,  daß  aver
dat  is  etc.  nur  „über  dies“  bedenten  kann:  liggen  thor  vorwending  und
dyth  ghe  schuth  yn  dren  vegen  kann  Henning  Moller  1555  nicht  geichrieben
  haben.