368  E.  Die  Sprache  der  Kirche.

die  der  Bedeutung  dieses  Sprachwechsels  gerecht  wird.  1)  Des  Niederdentschen
  wohl  kundig,  wenngleich  der  dänischen  Sprache  nicht  mächtig,
konnte  Klotz  bei  der  gemischten  und  doppelsprachigen  Bevölkerung  der
Flensburger  Propstei  in  seinen  amtlichen  Obliegenheiten  keinen  besonderen
  Schwierigkeiten  begegnen.  Als  einem  Freunde  und  einer  Vertrauensperson
  der  dänischen  Könige  Christian  IV.  und  Friedrich  III.,
von  denen  ihn  der  letztere  zum  Generalsuperintendenten  von  ganz
Dänemark  und  des  königlichen  Anteils  der  Herzogtümer  zu  erheben
gedachte,  war  ihm  schwerlich  Haß  und  Feindschaft  gegen  alles  Dänische
vorzuwerfen.  Wenn  er,  ohne  Räücksicht  auf  das  Wahlrecht  der  Gemeinde
  zu  nehmen,  in  Esgrus  die  Einsetzung  eines  von  ihm  begünstigten
Kandidaten  Paul  Moth  mit  der  Begründung,  daß  er  14  Jahre  der
Schule  in  Flensburg  aufgewartet  habe  und  der  dänischen  Sprache
wohl  kundig  sei,  „die  deß  Ohrtes  ein  Prediger  billig  wissen  solle“,
durchzusetzen  suchte,  so  zeugt  das  wohl  von  einem  herrschsüchtigen  und
willkürlichen  Verfahren  in  der  Leitung  der  kirchlichen  Angelegenheiten,
aber  nicht  von  einer  feindlichen  Gesinnung  gegen  die  herrschende  Volkssprache.
  Derselbe  Mann,  der  1649  in  einem  Visitationsberichte  als
ein  Mittel  zur  Förderung  des  Schulwesens  den  Rat  erteilt,  „den
Kindern  an  denen  Orten,  da  gar  keine  deutsche  Sprache  ist,  als  an
den  jütlendischen  Grentzen  nicht  den  deutschen  Catechismus,  sondern  den
denischen  in  Schulen  zu  lehren“  und  insbesondere  zu  „Haterßleben  in
der  Statt  eine  Denische  Catechismus-Schule“  zu  halten,  muß  für  sein
Vorgehen  in  der  Flensburger  Propstei  kirchliche,  auf  Einheit  des  Bekenntnisses
  und  infolgedessen  auch  auf  Einheit  der  Kirchensprache  hinzielende,
  jedenfalls  andere  Gründe  gehabt  haben  als  Pontoppidan  ihm
fast  ein  Jahrhundert  später  untergelegt  hat.?)  Wenn  dessen  gehässiger

dänische,  teils  die  plattdeutsche  Sprache  beim  Kirchendienst  abgeschafft  und  an
deren  Statt  die  hochdentsche  den  armen  Bauern  aufgedrungen  habe,  welches,  solange
  die  Kirche  stehe,  der  Erbaumg  ein  unüberwindliches  Hindernis  setzen  werde.

1)  Slesv.  Provindsialefter.  1860.  4.  256.  Siehe  unten  S.  388.

2)  Vidensk.  Selskab.  Skriter  I.  72.  73.  Ann.  eccl.  1V.  121.  Daß  es
sich  im  wesentlichen  immer  um  das  Wahlrecht  der  Gemeinden  handelte,  das  Klotz
ignorierte,  um  seine  Kandidaten  befördern  zu  können,  sieht  man  auch  aus  einer
Schrift  des  Marens  Esmarch  in  Klixbüll,  die  nach  Cimbr.  litt.  II.  419  den
Titel  trägt:  Scriptum  de  scandalis  circa  vocationes  ministrorum  ceclesige