Das  Kirchenbuch  des  Olearlus.  371

der  erste,  Konrad  Thordsen,  lief  davon  und  der  zweite,  ein  Sohn  des
Geistlichen  selbst,  Hinrich  Brekling,  begab  sich  nach  Lindholm,  wo  sein
Bruder  Geistlicher  war.  Der  Kandidat  des  Superintendenten  trat
dann  1664  unangefochten  sein  Amt  an,  um  auch  ferner  hochdeutsch
zu  predigen  und  vielleicht  daneben  die  jütische  Mundart  seiner  Gemeinde
zu  erlernen.!)

Mitten  in  die  Zelt  des  Sprachüberganges  fällt  das  Erscheinen
„des  schleßwigischen  und  holsteinischen  Kirchen  Buches“  von  Olearius
aus  dem  Jahre  1665,  das  sich  ausdrücklich  an  „sämptliche  Herren
Pröbste  und  Pfarrherrn  derer  Kirchen  in  den  Fürstenthümern  Schleßwig
und  Holstein“  wendet.  Wenngleich  nicht  von  vornherein  mit  irgendwelcher
  staatlicher,  weltlicher  oder  geistlicher  Autorität  ausgestattet  2),
kündigte  es  doch  nachdrücklich  die  neue  hochdeutsche  Zeit  an.  In

1)  Über  die  späteren  Verhältnisse  in  der  Wiesharde  und  insbesondere  in  Nordhacksted
  spricht  sich  Jensen  folgendermaßen  aus:  „Ob  mein  Großvater  Joh.  Deiler
march  (1745—  96)  dänisch  gepredigt  habe,  weiß  ich  nicht,  wohl  aber,  daß  er
beim  Katechisiren  häusig  dänisch  mußte  miteinfließen  lassen,  um  sich  den  Kindern
verständlich  zu  machen,  auch  dänische  (jütische)  Antworten  hinnahm,  wovon  noch
Anekdoten  mir  erinnerlich.  Meine  Mutter  aber  hat  mir  öfters  gesagt,  sie  habe
gehört,  in  Wicsharde  solle  nach  einer  alten  Verfügung  alle  Wochen  eigentlich.
dänisch  gepredigt  werden.  Ob  eine  solche  sich  irgendwo  noch  in  einem  Kirchenarchiv
  finde  oder  ob  dies  bloß  Tradition  sei,  weiß  ich  nicht,  erinnere  aber  gleichsalls
  als  Knabe  eben  dasselbe  gehört  zu  haben,  als  über  Pastor  Hildebrand  zu
Walsbüll  geurtheilt  ward,  der  ein  Hannoveraner  war  und  der  dänischen  Volkssprache
  ganz  unkundig:  es  sei  doch  schlimm,  daß  Prediger,  die  des  Dänischen
(Jütischen)  unkundig  wären,  für  solche  Kirchspiele  ernannt  würden,  wo  man  sich
nicht,  ohne  der  Volkssprache  mächtig  zu  sein,  verständlich  machen  könne,  wobei
bemerkt  wurde,  von  altersher  solle  in  ganz  Wiesharde  auch  zuweilen  dänisch
gepredigt  werden.  Das  mag  vielleicht  1814  oder  etwas  später  gesagt  sein.  Damals
  konnten  wenige  in  Wiesharde  anders  als  dänisch  (jütisch)  sprechen,  wenn
sie  gleich  (platt)  deutsch  verstanden;  ich  war  als  Knabe  in  vielem  Verkehr  mit
den  Westerbauern,  wie  wir  sie  nannten,  da  meine  Eltern  ein  Gasthaus  hatten,
wo  viele  Landlente  einkehrten.  Die  Angler  sprachen  ziemlich  plattdeutsch,  doch
unter  sich  meist  dänisch  (jütisch).“  Über  die  niederd.  Kirchensprache  in  Hacksted
siche  S.  352  ff.,  414  u.  419.

2)  Uber  die  spätere  Verpflichtung  der  Generalsuperintendenten  auf  die  alte,
auf  die  Kirchenordnung  v.  J.  1542  sich  gründende  Form  des  Gottesdienstes,  sowic
  auf  den  Gebrauch  der  Liturgic  nach  dem  Kirchenbuch  des  Olearius  siehe
#§  20  ihrer  Instruktion.  Corp.  Stat.  Uols.  1.  278.  Vergl.  die  Erklärung  des
Generals.  Adler  Falck:  Samml.  der  wichtigsten  Abh.  V.  429.

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