Hochdeutsche  und  däntsche  Kirchensprache.  375

dies  Kirchenbuch  des  Olearius  in  ganz  Mittelschleswig  eben  erst  einen
festen  Stand  gewonnen,  als  der  Versuch  gemacht  ward,  sie  wieder
zu  verdrängen  und  hier,  wie  in  den  nordschleswigschen  Städten,  durch
die  dänische  Literatursprache  zu  ersetzen.  Am  10.  Juli  1739  ordnete
der  König  Christian  VI.  eine  Untersuchung  der  Sprachverhältnisse  an;
in  gar  vielen  Orten  im  Herzogtum  Schleswig  seien  deutsche  Predigten
gebräuchlich,  ungeachtet  der  mehrerste  Teil  der  Eingepfarrten  kein
teutsch,  dagegen  fast  alle,  nur  einige  wenige  ausgenommen  „dänisch“
verständen;  auch  geschehe  die  Information  der  Kinder  in  den  Schulen
nebst  den  Katechismus-Examinibus  in  den  Kirchen  vielfältig  in  der
teutschen  Sprache,  es  möge  die  Schuljugend  derselben  sattsam  kundig
sein  oder  nicht.  Aus  den  von  den  Kirchenvisitatoren  der  Propsteien
erstatteten  Berichten  ging  aber  keineswegs  hervor,  daß  die  Bewohner
dieser  Gegenden  selber  diesen  vermeintlichen  Übelstand  fühlten  und
nach  Abänderung,  d.  h.  nach  dänischer  Predigt  ein  besonderes  Verlangen
  trugen.  Zwar  redeten,  erklärten  Propst  und  Amtmann  von
Gottorp,  in  ganz  Angeln  die  eingeborenen  Eingepfarrten  unter  sich
eine  „verworrene  dänische  Sprache“,  aber  sie  seien  auch  der  (nieder)=deutschen
  Sprache  so  mächtig,  daß  sie  ohne  Anstoß  und  Versäumnis
die  Lehren  des  Christentums  in  Predigten  und  Katechismus  ganz  wohl
fassen  und  was  sie  davon  gefaßt,  auch  deutlich  wieder  hervorbringen
könnten.  Die  übrigen  Gemeinden  außerhalb  Angelns  seien  durchgängig
deutsche;  beiderlei  Leute  aber  würden  das  reine  Dänische,  wie  es  in
Kopenhagen  geredet  werde,  entweder  gar  nicht,  oder  doch  nicht  recht
verstehen.

Nach  den  Berichten  der  Flensburger  Propstei  (20.  April)  hatten
die  Eingesessenen  aller  Kirchspiele,  obwohl  größtenteils  damals  noch
jütisch  unter  sich  redend  und  mit  Ausnahme  der  Nieharde  der
(nieder)deutschen  Sprache  nicht  durchgängig  kundig,  ausdrücklich  erklärt,
  daß  sie  eine  Predigt  in  deutscher  Sprache  viel  besser  verstehen
könnten,  als  in  der  rechten  seeländisch  -dänischen;  die  Visitatoren  hielten
es  dabei  mit  Recht  für  wünschenswert,  wenn  die  Prediger  und  Schullehrer
  neben  der  deutschen  Sprache  auch  der  dortigen  Volkssprache  für
den  persönlichen  Verkehr  mit  den  Einwohnern  genügend  kundig  seien;
insoweit  seien  auch  die  meisten  Prediger  der  „dänischen“  Sprache
mächtig  außer  einigen,  die  als  geborene  Deutsche  von  dem  „Dänischen“