Die  Stellung  d.  fürstl.  Regierung  zum  OHochdeutschen  u.  dessen  Bedeutung  f.  d.  Volkstum.  379

Erst  seitdem  es  gegen  Ende  des  18.  Jahrhunderts  mit  dem  Schulunterricht
  langsam  besser  ward  und  die  Kinder  auf  dem  Lande  auch
nach  der  deklamatorischen  Aussprache  des  Dänischen  lesen  lernten,  konnte
man  auf  ein  besseres  Verständnis  der  dänischen  Predigt  rechnen.  Aber
dieses  trat  erst  ein,  als  zu  gleicher  Zeit  mit  dem  Anfang  des  19.  Jahrhunderts
  die  Aussprache  des  geselligen  Lebens  sich  immer  mehr  im
öffentlichen  Gebrauche  geltend  machte  und  die  deklamatorische,  namentlich
  von  der  Kanzel,  verdrängte.  Da  man  aber  fortfuhr,  die  Kinder
  in  den  Volksschulen,  wenigstens  auf  dem  Lande,  im  Dänischen
nur  nach  der  alten  deklamatorischen  Weise  zu  unterrichten,  so  entstand
zwischen  der  Art  und  Weise  wie  das  Volk  lesen  gelernt  hatte  und
wie  namentlich  jüngere  Geistliche  das  Dänische  auf  der  Kanzel  aussprachen,
  wieder  eine  Verschiedenheit,  die  dem  Verständnis  einer  Predigt
ungemein  hinderlich  war.  Erst  als  in  den  Schulen  in  dem  vierten
Jahrzehnt  des  vorigen  Jahrhunderts  die  deklamatorische  Art  des  Lesens
nach  und  nach  völlig  verschwand,  hörten  in  den  jütischredenden  Gemeinden
  die  Klagen  über  die  Unverständlichkeit  der  dänischen  Predigten
auf.  Angesichts  dieser  eigenartigen  Verhältnisse  wird  sich  nicht  bestreiten
  lassen,  daß  der  Uübergang  vom  Niederdeutschen  zum  Hochdeutschen
  für  das  Verständnis  einer  Predigt  nicht  mehr  hinderlich  war  als
die  deklamatorische  Redeweise  der  dänischen  Sprache  in  Gemeinden
mit  rein  jütischem  Volkstum.

F.  Die  Stellung  der  fürstlichen  Regierung  zum  Hochdeutschen
  und  dessen  Bedeutung  für  das  Volkstum.

Dänische  Forscher  werden  nicht  müde,  überall  nach  politischen  oder
nationalen  Gründen  für  die  Verbreitung  des  Hochdeutschen  zu  spüren;
sie  sprechen  von  einem  unsäglichen  Haß  der  Gottorper  gegen  alles
Däuische  und  tragen  die  politische  Gesinnung  und  die  Anschauungen
der  eiderdänischen  Zeit  in  jene  früheren  Jahrhunderte  hinein;  von
den  unabwendbaren  Kultureinflüssen  von  Volk  zu  Volk,  die  sich  überall
geltend  machen,  ist  dabei  nirgend  die  Rede;  sie  vergessen,  daß  das