Die  Stellung  d.  fürstl.  Reglerung  zum  Hochdeutschen  u.  dessen  Bedeutung  f.  d.  Voltstum.  381

natürlichsten  wäre  es  zu  denken,  da,  wo  die  Volkssprache  durchaus
dänisch  (jütisch)  war,  mußte  auch  die  Kirchensprache  dänisch  werden,
aber  das  will  nicht  zutreffen;  denn  die  deutsche  Kirchensprache  ward
auch  da  eingeführt,  wo  man  völlig  ebenso  dänisch  (jütisch)  war,  als
an  Orten,  wo  das  Dänische  (Jütische)  Volkssprache  und  (Dänische)  Kirchensprache
  noch  jetzt  ist.  So  ist  bekanntlich  und  erweislich  im  Amte
Flensburg  die  Volkssprache  ebensosehr  dänisch  (jütisch)  gewesen  als  etwa
im  Amte  Apenrade.  Daß  die  verschiedene  Herrschaft  influirt,  ist  ebensowenig
  anzunehmen  oder  nachzuweisen.  Unter  den  altköniglichen  Amtern
ist  dänisch  die  Kirchensprache  im  Amte  Hadersleben,  deutsch  aber  im
Amte  Flensburg,  Apeurade  hingegen  war  fürstlich  mit  dänischer  Kirchensprache;
  Tondern,  auch  fürstlich,  bietet  das  auffallende  Beispiel  dar,
daß  daselbst  beide  Sprachen  als  Kirchensprache.  Warum  dort  in  Lundtoftharde,
  Sluxharde  usw.  dänisch,  in  der  Karrharde  aber  deutsch,  auch
in  den  nicht  friesischen  Kirchspielen,  warum  in  Tonderharde  Uberg
deutsch,  aber  Abild  dänisch,  ist  nicht  zu  erklären."

Die  Gottorper  Herzöge  fühlten  sich  als  deutsche  und  waren  wegen
ihrer  holsteinischen  Besitzungen  auch  deutsche  Reichsfürsten;  daß  sie  für
einen  Teil  ihres  Gebietes,  in  den  Amtern  Apenrade  und  Tondern  und
einem  Teile  des  Amtes  Gottorp,  nationale  „dänische“  Interessen  unterstützen
  sollten,  die  selbst  die  dänischen  Könige  für  ihren  Landesteil,  in
den  Amtern  Hadersleben  und  Flensburg.  gänzlich  außer  acht  ließen,
ist  doch  ein  Verlangen,  das  von  einem  geschichtlichen  Verständnis  nur
ein  sehr  geringes  Zeugnis  ablegt.  Wenn  der  Herzog  Adolf,  wie  glaubwürdig
  berichtet  wird,  die  Sprache  aller  seiner  Untertanen,  Niederdeutsch,
  Friesisch  und  Jütisch  verstand  und  sprechen  konnte,  so  muß  man
dem  gegenüberhalten,  daß  es  dänische  Könige  gegeben  hat,  die  nur
geringe  Kenntnis  der  dänischen  Sprache  hatten,  niemals  dänisch  schrieben
und  sich  nur  des  hochtrabenden  Hochdeutsch  bedienten.  Wenn  die  Königin
Sophie  Amalie,  Gemahlin  Friedrichs  III.,  niemals  dänisch  gelernt  hat,
der  Hof  Christians  V.  und  VI.,  Friedrichs  IV.  und  V.  völlig  deutsch,
dänisch  im  Munde  der  Königin  Sophie  Magdalene  nur  ein  Wort  des
Hohns  war,  wie  kann  man  sich  wundern,  wenn  der  Herzog  Friedrich  III.,
einer  der  tüchtigsten  und  zugleich  kunstliebendsten  Fürsten  seiner  Zeit,  kein
Dänisch  verstand?  Er  hatte  in  der  Tat,  um  so  weniger  Veranlassung
es  zu  lernen,  als  in  seinen  nördlichen  Gebieten  selbst  die  jütische  Be-