Die  Stellung  d.  kürstl.  Regierung  zum  Hochdeutschen  u.  dessen  Bedeutung  f.  d.  Voltatum.  383

muß  es  erscheinen,  wenn  auf  königlichen  Befehl  in  den  Kirchenbibliotheken
  der  Propstei  Hadersleben  so  viele  deutsche  Bücher  zum  kirchlichen
  Gebrauch  vorhanden  sein  sollten.  1)  Die  Gottorper  Landesregierung
mag  auch  weit  weniger  amtlich  in  die  Sprachverhältnisse  eingreifen,
als  die  königlich  dänische,  mag  sie  selbst  noch  „dänische“  kirchliche  Verfügungen
  für  das  Amt  Tondern  wie  am  22.  Mai  1706  erlassen,
sie  ist  nach  dänischer  Auffassung  als  die  Trägerin  der  hochdeutschen
Literatursprache  zugleich  Feind  und  Verfolger  der  dänischen  Literatursprache
  und  damit  auch  des  angeblich  dänischen  Volkstums  in  rein
jütischredenden  Gebieten.

So  war  denn  die  Kirche  nicht  bloß  in  den  Städten,  sondern
auch  auf  dem  Lande  dem  Wege  gefolgt,  den  die  Landesherrschaft,  die
Verwaltung,  die  höheren  Gerichte  und  zuletzt  auch  die  Volksgerichte
nacheinander  eingeschlagen  hatten.  Schleswig  wie  Holstein  hatten
dieselbe  sprachliche  Entwickelung  genommen,  wie  das  übrige  Norddeutschland,
  wenn  auch  etwas  später,  und  je  weiter  nach  Norden  desto
langsamer.  Erst  um  das  Jahr  1680  erscheint  die  niederdeutsche  Periode
im  Herzogtum  Schleswig  als  völlig  abgeschlossen.  Eine  neue  hochdeutsche
  Bildung  begann  die  höheren  Stände  zu  durchdringen  und  die
Kenntnis  und  ÜUbung  der  deutschen  Gemeinsprache  ein  Erfordernis
für  jeden  Beamten,  für  alle  Geistliche  und  die  Lehrer  an  den  lateinischen
  Schulen  zu  werden.  Um  nur  eins  zu  erwähnen,  von  etwa
140  Hochzeitsgedichten  oder  Festgesängen,  die  mir  aus  den  verschiedensten
  Gegenden  des  Herzogtums  bekannt  sind,  findet  sich  seit  dem
Jahre  1650  kein  einziges  mehr,  das  der  niederdeutschen  Sprache  huldigt.

Die  Regierung  des  Herzogs  Friedrich  III.  bildete  hauptsächlich
den  Stützpunkt  der  neuen  hochdeutschen  Bildung  und  Wissenschaft.  An
seinem  Hose  zu  Gottorp  versammelten  eine  berühmte  Bibliothek  und
ausgezeichnete  Kunstschätze,  die  später  die  Zierden  der  Kopenhagener
Sammlungen  bilden  sollten,  die  namhaftesten  Gelehrten  und  Künstler
der  Zeit,  von  denen  wir  bereits  Adam  Olearius  genannt  haben.  Überall
erhob  sich  im  Lande  ein  reges  wisseuschaftliches  literarisches  Streben:;

)  Muhlius:  De  reform.  religion,  in  Cimbria  208.—  Werlauf:  Det  dansk.
sprogs  Historic  i  ert.  Slesvig  104.  10.