384  Die  Stellung  d.  fürstl.  Neglerung  zum  Hochdeutschen  u.  dessen  Bedentung  f.  d.  Volkstum.

die  Schulen  zu  Husum,  Schleswig  und  Bordesholm  wurden  neu  geordnet,
  manch  tüchtiger  Gelehrte  aus  der  Fremde  herangezogen  und
selbst  die  Gründung  einer  eigenen  Landesuniversität  in  Aussicht  genommen,
  die  dann  später  unter  dem  Herzog  Christian  Albrecht  als
die  nördlichste  Pflanzstätte  deutscher  Bildung  und  Wissenschaft  im  Jahre
1665  in  Kiel  ins  Leben  trat.  Manch  wichtige  Arbeit  ist  damals
entstanden;  um  nur  zwei  zu  nennen,  so  entwarfen  die  Husumer  Johan
Mejer  und  Caspar  Danckwerth  mit  Unterstützung  der  beiden  Landesherren,
  der  eine  ein  unvergleichliches  Kartenwerk,  der  andere  eine  neue
Landesbeschreibung,  eine  Leistung,  wie  sie  zu  der  Zeit  kein  anderes
deutsches  Land  aufzuweisen  hat,  und  der  Friese  Anton  Heimreich  brachte
auf  dem  „Nöhrbeker  Mohr  im  Nordstrande“  im  Jahre  der  Gründung
der  Universität  seine  „nordfresische  Chronik“  zum  Abschluß.

Auch  die  Poesie  begann  zum  erstenmal  im  Auschluß  an  die  gelehrte
  literarische  Bewegung  südlich  von  der  Elbe  bei  uns  einen  mächtigen
Aufschwung  zu  nehmen.  Das  Haupt  der  schlesischen  Dichterschule,  „der
Vater  und  Wiederhersteller  der  teutschen  Dichtkunst“,  wie  er  genannt
ward,  Martin  Opitz,  war  selbst  mit  seinem  Freunde  Hamilton  ins
Land  gekommen  und  hatte  hier  Trost  gesucht  in  den  Widerwärtigkeiten
  des  verheerenden  Krieges.  Sein  größerer  Zeitgenosse,  Paul
Fleming,  war  am  Hofe  des  Herzogs  ein  gern  gesehener  Gast.  Als

„der  Cimbern  theurer  Held,

der  Vorsicht  werther  Sohn,  verschicket  Abgesandte

in  Elams  fernes  Reich“,
da  war  auch  er  erschienen,  um  an  der  Handelsexpedition  nach  Persien
als  „Hofjunker  und  Truchseß“  teilzunehmen.  So  flüchtete  die  hochdeutsche
  Dichtkunst  unter  den  Stürmen  des  Krieges  in  die  Grenzprovinzen
  des  Reiches  und  ward  hier  nach  den  verschiedensten  Seiten
weiter  entwickelt.  Allgemeiner  Eifer  beseelte  die  Leute,  und  mit  wahrer
Innigkeit  schlossen  sich  die  dichterischen  Talente  den  Bestrebungen  Opitzens
an.  Gerade  hier  auf  niederdeutschem  Boden,  wo  das  Hochdeutsche
sich  eben  Bahn  zu  brechen  begann,  fand  er  die  strebsamsten  Schüler
und  eifrigsten  Anhänger.  Johan  Rist,  der  Rüstige,  zu  Wedel,  einer  der
fruchtbarsten  geistlichen  Liederdichter  seiner  Zeit,  stiftete  selbst  nach  dem
Geschmacke  jener  Tage  einen  neuen  Dichterorden,  den  Elbschwanenorden,
war  Pfalzgraf  und  krönte  als  solcher  eine  Menge  jüngerer  und  gleich-