390  G.  Die  Sprache  der  Schule  und  ihr  Berhälmis  zur  Volkssprache.

schulen  der  Landgemeinden  sollte  nach  der  Kirchenordnung  der  Katechismusunterricht
  in  der  Sprache  der  Kirche  erteilt  werden.  Wie  der  Geistliche
am  Sonntage  den  Katechismus  dem  Volke  ausdeutete,  dat  ein  xeder
buer  by  sick  reden  unde  naspreken  moge,  so  hatte  nach  der  merkwürdigen
  Schulordnung  Christians  III.  v.  J.  1544  1)  der  Capellan
auf  dem  Lande  in  der  Regel  selbst  Schule  zu  halten,  den  Katechismus
laut  vorzusprechen  und  „de  lutjen  lüde,  darmet  se  acht  gewen,  na
beden“  zu  lassen;  auch  Bibellesen  und  die  Pflege  des  Kirchengesanges
wird  vorgeschrieben,  und  demgemäß  sollen  für  jede  Schule  Bibel  und
Psalmbuch  in  je  einem  Exemplar  aus  der  Kirchenkasse  beschafft  werden.
Die  Forderung  der  Kirchenordnung,  an  jeder  Kirche  einen  Küster  zur
Leitung  des  Gesanges  und  zur  Hilfe  des  Geistlichen  anzustellen,  konnte
nur  sehr  langsam  durchgeführt  werden,  da  es  an  geeigneten  Kräften
vielfach  mangelte.  Hier  half  man  sich,  so  gut  man  eben  konnte.  In
Ostenfeld  z.  B.,  wo  cs  noch  keine  Orgel  gab,  hatte  man  gegen  Schluß
des  16.  Jahrhunderts  einen  Vorsänger  in  der  Person  des  Hausmanns
oder  Kätners  Peter  Mohrmann  und  erhielt  erst  mit  Lambert  Lamp
(11611)  den  ersten  Lehrer  und  Küster,  der  singen,  läuten,  die  Betglocke
  ziechen,  die  Wachslichter  anzünden  und  Schule  halten  sollte.  In
Kirchen,  die  bis  zu  zwei  Meilen  von  der  Stadt  oder  einem  Flecken,
wo  eine  lateinische  Schule  bestand,  entfernt  war,  hatte  man  gar  keinen
festangestellten  Küster,  hier  pflegte  der  Stadtküster,  der  Capellan  oder
ein  geeigneter  Schüler  den  Küsterdienst  zu  verrichten.  Bezeichnend  ist,
wie  die  Kirchspiellente  von  Heils  und  Weistrup,  die  damals  sehr
gut  niederdeutsch  verstehen,  am  10.  Jan.  1570  den  Herzog  Hans  um
einen  ständigen  Küster  bitten:

Idt  heft  sick  awerst  thogedragen,  dat  wi  in  tidt  der  pestilentz  dusser
vergangenen  jharen  unsern  koster  mit  dode  gemisset  und  also  beth  hertho
keinen  andern  alze  einen  scholer  uth  I.  F.  G.  Hatherschlewische  scholen
gehatt.  Uund  wewol  I.  F.  G.  in  dor  scholenfundation  de  kosterien  up  twe
mil  weges  der  stadt  nha  gelegen  den  scholern  gnedichst  vorschrewen,  s0
gercicht  doch  datsulwige  tho  unsere  kerken  nicht,  den  se  wol  druddenhalwen
mile  weges  von  Hatheerschlewn  gelegen  sin,  derowegen  uns  sehr  ungelegen

und  beschwerlich  fallen  wolde,  wan  wi  unsern  kostor  nicht  stedes  thor
stede  und  bi  der  handt,  wo  wi  van  oldings  her  gehat,  beholden  muchten.

1)  Siehe  S.  389,  Anm.  2.
2)  Kirkeh.  S.  1.  1.  106.  Die  Wanderküster  schaffte  Friedrich  III.  durch
Reskript  vom  20.  Ang.  1651  (Miscell.  I.  181)  unter  ausführlicher  Begründung  ab.