Tie  äußere  Lage  des  Landschulwesens.  393

besser  und  nicht  schlechter  als  in  den  benachbarten  Ländern.  Für
unseren  Zweck  genügt  es,  einige  bezeichnende  Berichte  aus  der  Mitte
und  dem  Süden  Schleswigs  mitzuteilen,  die  auf  das  ganze  Herzogtum
in  gleicher  Weise  das  ganze  18.  Jahrhundert  hindurch  und  zum  Teil
bis  in  das  19.  hinein  Anwendung  finden.  In  der  Gemeinde  Handewith
bei  Flensburg  gab  es  um  das  Jahr  1738  ebensowenig  wie  anderswo
  feste  Schulen;  der  von  der  Gemeinde  angenommene  Schulmeister
hatte  seinen  „Wandeltisch“  und  wanderte  auch  mit  den  Kindern  von
Haus  zu  Haus.  In  dieser  Gemeinde,  berichtet  der  Prediger,  werde
wie  auch  in  allen  benachbarten  der  Harde  keine  Sommerschule,  sondern
nur  von  Martini  (11.  Nov.),  wenn  die  Saat  und  alle  Feldarbeit  bestellt
  sei,  bis  gegen  Mariä  Verkündigung  (25.  März),  wenn  die  Pflugzeit
  wieder  angehe,  Schule  gehalten.  Aber  in  dieser  Zeit  kämen  nicht
einmal  alle  Kinder  zur  Schule,  weil  die  Eltern  sie  zur  Hilfe  bei  der
Arbeit  brauchten,  sobald  sie  gehen  könnten;  rede  man  mit  den  Alten
von  einer  Sommerschule,  so  bekomme  man  zur  Antwort:  sollten  die
Kinder  das  ganze  Jahr  zur  Schule  gehen,  so  möge  man  ihnen  auch
Essen,  Trinken  und  Kleider  verschaffen  und  den  Eltern  Dienstboten
halten,  die  die  Arbeit  „hülffen  thun“.  Sie  mieteten  einen  schlechten
Schulmeister,  den  sie  am  wohlfeilsten  haben  könnten;  der  gehe  im  Dorfe
auf  Kost  und  mit  der  Schule  herum,  und  alle  Winter  häuerten  sie,
wie  sonst  gebräuchlich,  einen  neuen  Schulmeister.  Über  Ellund,  das
weder  im  Winter  noch  im  Sommer  einen  Lehrer  hatte,  sagt  er:  „Die
Leute  wären  wohl  lieber  zufrieden,  daß  sie  von  Kirchen,  Predigern,
Küstern  und  Schulen  ganz  los  wären.“  In  der  Tat  hatten  die  Gemeinden
  nicht  das  geringste  Verlangen  nach  einer  Veränderung  der
Verhältnisse;  die  Dorfschaften  Estrup  und  Kollerup  aus  der  Gemeinde
Groß-Solt  sprechen  gewissermaßen  für  alle  anderen  mit,  wenn  sie  vorstellen:
  sie  hätten  freilich  keine  feste  Schule,  da  die  Kinder  sich  je  nach
den  Umständen  bald  in  dem  einen  bald  in  dem  anderen  Ende  des
Dorfes  versammelten,  aber  weder  Propst  noch  Prediger  hätten  bisher
an  dieser  Weise  etwas  auszusetzen  gehabt.  Sollte  man  ein  Schulgebäude
und  eine  Lehrerwohnung,  eine  Kuh,  ein  Stück  Land  zur  Gräsung  u.  a.
herbeischaffen,  so  werde  daraus  dem  Kirchspiele  eine  drückende  Last  erwachsen;
  unter  den  bisherigen  Verhältnissen  fühle  man  keinen  Druck,
denn  der  Schulmeister  könne  bei  ihnen  „auf  Kost  gehen  und  sich  also