394  G.  Die  Sprache  der  Schule  und  ihr  Berhäunis  zur  Volkssprache.

mit  der  Hausmannskost  genügen  lassen“;  des  Winters  würden  auch
genug  Kinder  da  sein,  daß  ein  Mensch  vom  Unterrichte  leben  könne.
des  Sommers  aber  sei  keine  Schule  möglich,  weil  die  Kätner  ihre
Kinder  bei  der  Arbeit  gebrauchten.  Außerdem  haben  sie  noch  eine
Bedenklichkeit,  die  sie  nicht  verhehlen  wollen;  wenn  ein  Schulmeister
seßhast  würde,  könne  er  mit  der  Zeit  also  übermächtig  werden,  daß  er
ihnen  über  den  Kopf  wachse.  Ebensowenig  wie  die  Dorsschaften  wollten
auch  die  bestehenden  festen  Lehrer,  d.  h.  die  Küster  in  den  Kirchdörfern
etwas  von  neuen  Schulen  wissen,  da  sie  ihre  Einnahmen  zum  Teil
aus  dem  ganzen  Kirchspiel  zogen.  In  der  Nieharde  hatten  sic  das
Kirchspiel-Schulhaus  in  jeder  Gemeinde  aus  eigenen  Mitteln  erbaut
und  diese  nur  mit  Mühe  dazu  gebracht,  es  aus  Gemeindemitteln  zu
unterhalten;  die  Unterhaltung  ihrer  Behausung,  die  sie  sich  selbst  errichtet,
  fiel  dagegen  ihrem  eigenen  Beutel  zur  Last.  Noch  fünfzig  Jahre
später  waren  trotz  aller  Regierungsverordnungen  und  trotz  der  Errichtung
  des  Tondernschen  Seminars  (1786)  die  Schulverhältnisse  in
dem  größten  Teil  des  Landes  unverändert  geblieben.  In  der  Gemeinde
  Haddeby  befand  sich  nach  dem  Berichte  des  Pastors  Scholz)
noch  im  Jahre  1806  alles  auf  demselben  Fuße:  wechselnde  Schullehrer,
Wandeltisch  und  geringe  Einkünfte;  in  10  Wintern  hatte  man  in  einzelnen
  Dörfern  nicht  selten  10  verschiedene  Lehrer;  welchen  man  wählte,
hing  davon  ab,  ob  der  eine  einen  Taler  wohlfeiler  war  als  der  andere
oder  des  Morgens  mit  Grütze  fürlieb  nahm  und  keinen  Kaffee  verlangte.
  In  zwei  Dörfern  des  Kirchspiels  fanden  sich  zwei  sogenannte
Schulhäuser,  aber  es  war  schwer  zu  entscheiden,  ob  sie  zunächst  für
diesen  Gebrauch  oder  für  den  Viehhirten  bestimmt  waren,  der  darin
zu  wohnen  pflegte.  Die  Schulmeister  waren  gewöhnliche  Bauernkuechte,
die,  wenn  die  Bequemlichkeit  des  Schulmeisterierens  sie  nicht  schon  verwöhnt
  oder  mit  einem  eigenen  Stolze  erfüllt  hatte,  zu  Ostern  wieder
zum  Pfluge  oder  zum  Spaten  griffen.  Wenn  sie  auch  in  den  zur
Prüfung  vor  den  Pröpsten  höchst  notwendigen  Fertigkeiten  des  Lesens,
Schreibens  und  allenfalls,  mit  Hilfe  eines  sogenannten  Einschreibebuchs,
des  Rechnens  zur  Not  bestehen  konnten  und  fähig  waren,  die  Kinder

1)  N.  St.  M.  II.  152  —  161.  —  P.  Paulsen:  Schulstatistik.  Oldenburg.
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