396  G.  Die  Sprache  der  Schule  und  ihr  Verhältnis  zur  Volkssprache.

die  dänische  Literatursprache  verstanden?  Es  unterliegt  auch  gar
keinem  Zweifel,  daß  noch  während  des  ganzen  18.  Jahrhunderts  mit
seltenen  Ausnahmen  auf  dem  platten  Lande  des  Herzogtums  nur  in
der  Mundart,  d.  h.  im  Friesischen.  Jütischen  und  Niederdeutschen  unterrichtet
  ward.  Von  anderen  Zeugnissen  abgesehen,  so  berichtet  der
Generalsuperintendent  Struensec  (1764).  in  den  meisten  Kirchspielen
der  Landschaft  Bredsted  redeten  die  Eltern  mit  ihren  Kindern  nicht
allein  friesisch,  sondern  es  müßten  auch  die  Schulmeister  auf  ausdrückliches
  Verlangen  der  Eltern  in  dieser  Sprache  die  Kinder  informieren;
  dadurch  werde  die  Unwissenheit  gar  sehr  gefördert.  Denn
wenn  die  Kinder  zum  Abendmahl  vorbereitet  werden  sollten,  so  verständen
  sie  die  (hoch)-teutsche  Sprache  nicht,  seien  auch  nicht  imstande,
den  Juhalt  (hoch-)#teutscher  Predigten  hinlänglich  zu  verstehen,  da  sie
beständig  sortführen,  sich  der  friesischen  Sprache  zu  bedienen.  Nach
seinem  unmaßgeblichen  Ermessen  würde  allen  Schulmeistern  anzubefehlen
sein,  nicht  anders  als  teutsch  zu  informieren,  und  die  Prediger  müßten
dahin  sehen,  daß  die  Kinder  nicht  eher  konfirmiert  würden,  als  bis
sie  einen  teutschen  Vortrag  hinlänglich  verstehen  könnten.  Ebenso
lagen  die  Verhältnisse  in  den  Marschgegenden  des  Amtes  Tondern  und
in  Eidersted.  Die  Beseitigung  der  herrschenden  Mundart  als  Schulsprache
  erschien  hier  den  Oberbehörden  weniger  bedenklich  als  in  den
jütischredenden  Gebieten;  das  Visitatorium  der  Propstei  Flensburg
hob  dabei  mit  Recht  hervor,  daß  die  meisten  Friesen  deutsch  d.  h.  plattdeutsch
  verständen;  das  Oberkonsistorium  bemerkt  indes  dazu,  die  Neuerung
  werde  den  für  ihre  alte  Sprache  sehr  eingenommenen  Leuten  sehr
unangenehm  sein,  auch  könnten  den  Predigern  beim  Konfirmationsunterricht
  nicht  so  bedeutende  Schwierigkeiten  entgegentreten,  weil
die  Kinder  wie  die  Eltern  zugleich  (Nieder)deutsch  redeten,  d.  h.  zweisprachig
  waren,  den  Katechismus  auf  deutsch  und  nicht  auf  friesisch
lernten  sowie  (hoch)  deutsche  Predigten  hörten;  billig  sei  auch,  daß  die
Prediger  sich  mit  ihrer  Sprache  bekannt  zu  machen  suchten.  Eine
königliche  Resolution  bestimmte  (20.  Sept.  1765)  freilich  in  den
Kirchspielen  der  Landschaft  Bredsted,  wo  das  Friesische  noch  im  Gebrauch
  sei,  die  Schulmeister  anzuweisen,  sich  der  (hoch)deutschen  Sprache
soviel  wie  möglich  beim  Unterricht  zu  bedienen;  aber  diese  Verordnung
stand  so  lange  nur  auf  dem  Papier,  als  nicht  die  Schulmeister  selbst