400  G.  Die  Sprache  der  Schule  und  ihr  Berhälmis  zur  Bollssprache.

Loit,  Osterlügum,  Hellewatt,  Blolderup  und  Jordkirch,  bis  1811.
Die  Kinder  brachten  hier  eine  deutsche  Fibel  mit,  aus  der  sie  lesen  lernten;
dann  lernten  sie  den  kleinen  Katechismus  Luthers  mechanisch  in  deutscher
Sprache  auswendig,  vielfach  auch  einige  deutsche  Gesänge,  dann  ward
das  deutsche  sogenannte  Evangelienbuch  und  zuweilen  auch  der  deutsche
Psalter  in  derselben  Weise  vorgenommen;  im  allgemeinen  Gebrauch
war  der  „erläuterte  Katechismus“  von  Stephan  Klotz  und  später  „die
vernünftige  lautere  Milch  des  h.  Katechismus“  des  Generalsuperintendenten
  Stöcken.  In  jütischen  Gemeinden  mit  dänischer  Kirchensprache
  hatte  man  vor  dem  Landeskatechismus  meist  den  Katechismus
Pontoppidans,  daneben  auch  hochdeutsche  Rechenbücher,  aber  man
lernte  dabei  auf  niederdeutsch  zählen,  wie  dörtig,  vertig,  föftig
usw.  Meist  ward  im  Norden  anch  nach  deutschen  Vorschriften  geschrieben
  und  eine  Menge  deutscher  Briefe  in  Handschrift  gelesen  und
nachgeschrieben.  Alles  dieses  geschah  aber  nur  in  rein  mechanischer
Weise;  die  Kinder  und  größtenteils  die  nur  die  Mundart  redenden
Lehrer  verstanden  wenig  von  dem,  was  sie  lasen  oder  auswendig
lernten  oder  nachschrieben.  Am  meisten  mußte  dies  in  auffallendem
Maße  in  den  Gegenden  hervortreten,  wo  man  neben  der  jürischen
Mundart  des  Niederdeutschen  nicht  genügend  kundig  war.  Da  hören
wir  denn  die  erbärmlichsten  Klagen  der  Geistlichkeit  über  das  gedankenlose
  Auswendiglernen  des  Katechismus  und  die  gänzliche  Unwissenheit
der  Kinder  in  allen  religiösen  Dingen  und  dürfen  uns  darüber  nicht
wundern.  Auch  die  Berichte  des  Generalsuperintendenten  Struensee  aus
dem  Osten  und  Westen  stimmen  nur  zu  sehr  in  diese  Klagelieder
ein.  Als  ein  Haupthindernis  der  Beförderung  der  Erkenntnis  göttlicher
  Wahrheiten  bei  vielen  Gemeinden,  schreibt  er  1760  nach  einer
Visitation  der  Flensburger  Propstei,  sei  ohne  Zweifel  anzusehen,  daß
in  Angeln  von  allen  Einwohnern  die  dänische  (jütische)  Sprache  in
ihren  Häusern  und  im  Privatumgang  geredet  werde.  Da  nun  der
Gottesdienst  in  teutscher  Sprache  geschehe  und  die  Kinder  fast  gar
keine  Gelegenheit  hätten,  teutsch  zu  reden  und  verstehen  zu  lernen,
so  seien  sie  bei  heranwachsenden  Jahren  nicht  imstande,  den  wahren
Nutzen  für  ihre  Seele  von  dem  öffentlichen  Gottesdienste  zu  erlangen.
Insonderheit  gehe  dieses  auf  das  weibliche  Geschlecht,  das  fast  durchgehends
  nur  allein  die  dänische  (jütische)  Sprache  rede.  Wenn  nun