Der  Kampf  gegen  den  mundartlichen  Unterricht.  401

die  Kinder  zum  Abendmahl  vorbereitet  werden  sollten,  so  machten  sie
gemeiniglich  erst  einen  Anfang,  das  Teutsche  zu  verstehen  und  zu
reden.  Sogar  einige  Schulmeister  sprächen  in  den  Schulen  dänisch
(jütisch).  Wenn  er  dieses  nun  auch  widerraten  habe,  so  sei  hierdurch
doch  bisher  den  Predigern  eine  unbeschreiblich  große  Mühe  verursacht
worden,  daß  sie  in  der  Zeit,  wo  die  Kinder  zum  Abendmahl  vorbereitet
  würden,  ihnen  die  teutsche  Sprache  und  das  Christentum  zugleich
  beibringen  sollten.  Nach  seinem  geringen  Ermessen  würde  es
dienlich  sein,  wenn  man  in  ganz  Angeln  entweder  dänisch  oder  teutsch
ganz  allein  spräche  und  den  Gottesdienst  in  einer  den  Einwohnern
bekannten  Sprache  abhalte.  Da  aber  in  Ansehung  der  dänischen
Sprache  es  manche  Schwierigkeiten  gebe,  teils  wegen  der  Connexion,
die  die  Einwohner  in  Angeln  mit  ihren  teutsch  redenden  Nachbarn
hätten,  teils  wegen  ihrer  Prediger,  die  fast  durchgehends  die  dänische
Sprache  nicht  verständen,  so  werde  insonderheit  den  Schulmeistern  mit
Ernst  einzuschärfen  sein,  bei  der  Unterweisung  der  Jugend  beständig
keine  andere  als  die  teutsche  Sprache  zu  reden.  Zwischen  den  Zeilen
liegt  angedeutet,  daß  damals  in  Angeln  neben  dem  Jütischen  auch
Niederdeutsch  geredet  ward;  ohne  diese  Voraussetzung  bleibt  seine  Darstellung
  völlig  unverständlich.

Bei  den  Prüfungen,  schreibt  er  dann  1777  in  bezug  auf  die
Propstei  Tondern,  habe  er  deutlich  bemerkt,  wie  der  Unterricht  in  den
Schulen  und  auch  in  den  Kirchen  beschaffen  sei;  an  den  meisten  Orten,
wo  in  dänischer  Sprache  gepredigt  und  die  Jugend  unterwiesen  werde,
habe  er  eine  gute  Erkenntnis  angetroffen;  in  einigen  Gemeinden,  wo
der  Gottesdienst  in  teutscher  Sprache  geschehe,  sei  die  Unwissenheit
groß.  Eine  Ursache  sei  wohl  mit.  daß  die  Einwohner  untereinander
dänisch  (jütisch  und  an  den  Seeküsten  in  der  Wiedingharde  friesisch
redeten.  Es  sei  zwar  der  allerernstlichste  königliche  Befehl,  daß  überall
  die  Schuljugend  in  der  Sprache  unterrichtet  werden  solle,  in  der
gepredigt  werde,  allein  es  werde  diesem  allerheilsamsten  Befehl  aller
Orten  nicht  nachgelebet.  Daher  lernten  an  solchen  Orten,  wo  teutsch
gepredigt  werde  und  die  Eingepfarrten  dänisch  (jütisch)  oder  friesisch
untereinander  redeten,  die  Kinder  weder  die  Worte  noch  die  Sachen
verstehen,  da  sie  bis  zu  ihrer  Konfirmation  keine  andere  als  die  dänische
Gütische)  oder  friesische  Sprache  (in  den  Schulen)  hörten.  Er  habe

Sach,  Das  Herzogtum  Schleswig.  UI.  26