402  6.  Die  Sprache  der  Schule  und  ihr  Verhältuis  zur  Volkesprache.

nicht  versäumt,  den  Predigern  und  Schullehrern  alles  Ernstes  einzuschärfen,
  daß  in  den  Schulen  keine  andere  Sprache  geredet  werden
solle  als  in  dem  öffentlichen  Gottesdienst.  Insonderheit  habe  er  bemerkt.
daß  geringe  Personen  weiblichen  Geschlechts  der  teutschen  Sprache
gar  nicht  mächtig  seien,  an  einigen  Orten  auch  Gelegenheit  gehabt,
wegen  besonderer  Angelegenheiten  mit  ihnen  zu  reden,  aber  sie  hätten
sich  weder  teutsch  gegen  ihn  ausdrücken  noch  auch  ihn  verstehen  können.
was  er  teutsch  mit  ihnen  habe  reden  wollen.  Nichtsdestoweniger
hörten  diese  Personen  teutsch  predigen,  sie  sängen  teutsche  Gesänge  und
sagten  auch  ihre  Beichtformel  in  teutscher  Sprache  her.

Eine  Menge  Beispiele  läßt  sich  aus  den  mittleren  Gegenden  des
Landes  gleichfalls  dafür  beibringen,  wie  man  unter  den  gegebenen
Verhältnissen  in  dem  Schulunterricht  in  den  meisten  Fällen  noch
Jahrzehnte  später  nicht  zu  einem  ersprießlichen  Ergebnis  gelangte.
In  Sterup  z.  B.  lehrte  der  Pastor  Bielefeld  (1757  bis  1759)  die
Kinder  sich  hochdeutsch  ausdrücken;  einc  noch  lebende  alte  Frau,  schreibt
Jensen,  habe  ihm  erzählt,  wic  er  die  Kinder  aufgefordert,  ihre  Gedanken,
  so  gut  sie  könnten,  auszusprechen,  ohne  sich  an  die  Worte  der
Bibel  oder  des  Katechismus  zu  binden:  sie  sei  die  erste  gewesen,  die
es  gewagt  habe.  Der  ganze  Vorrat  an  hochdeutschen  Wörtern  beschränkte
  sich  auf  Vokabeln,  die  durch  das  Auswendiglernen  der  Sprachund
  Katechismussätze  haften  geblieben  waren.  Aus  Husby  schreibt  der
Pastor  Johansen  1794,  zum  Auswendiglernen  würden  der  Katechismus.
das  Evangelienbuch  und  das  Gesangbuch  gebraucht;  die  beiden  ersteren
außer  den  Episteln  ganz  und  wörtlich  und  aus  dem  Gesangbuch  eine
Menge  Gesänge;  gewöhnlich  verstehe  kein  Kind  ein  Wort  von  dem,
was  es  auswendig  zu  lernen  anfange;  daher  möge  es  wohl  zum  Teil
mit  herkommen,  daß  viele  Konfirmanden  so  ganz  leer  von  Begriffen
seien;  den  Katechismus  wüßten  die  meisten  auswendig,  aber  einige
verständen  kein  Wort  davon.  Manche  besserten  sich  durch  den  Unterricht
  des  Predigers,  aber  einige  könnten  nicht  einmal  lernen  etwas
zu  verstehen.

Man  begreift  daher  die  Verzweiflung  der  Geistlichen,  angesichts
solcher  Zustände,  die  sie  nicht  zu  ändern  vermochten;  die  Behörden
hatten  den  besten  Willen,  aber  mit  bloßen  Verfügungen  und  Reskripten
war  so  lange  nichts  auszurichten,  als  alle  Voraussetzungen  und  Be-