Die  schwierige  Lage  der  Gelstlichen.  403

dingungen  zu  ihrer  Durchführung  fehlten,  insbesondere  die  Schulmeister
fast  überall  sortfuhren,  ihren  mundartlichen  Unterricht,  so  gut  sie  eben
konnten,  weiter  zu  treiben.  Die  verschiedensten  Vorschläge  wurden  gemacht,
  um  den  mißlichen  Zuständen  ein  Ende  zu  machen.  Das  Oberkonsistorium
  gab  zunächst  den  querulierenden  Geistlichen  den  wohlmeinenden
  und  vernünftigen  Rat,  in  den  jütischen  Gemeinden  auch  deren
Sprache  oder  die  dänische,  die  ohnehin  so  schwer  nicht  sei.  zu  erlernen;
es  sei  natürlich,  daß  der  Prediger  sich  nach  der  Sprache  der  Gemeinde
richte;  dann  würde  dem  ÜUbelstande,  daß  die  Konfirmanden  kein  Deutsch
verständen,  auf  die  bequemste  und  kürzeste  Weise  abgeholfen.  Dabei
war  nicht  die  Meinung,  die  Schul=  und  Kirchensprache  etwa  nach  der
Mundart  der  Gemeinde  zu  gestalten;  vielmehr  glaubte  das  Oberkonsistorium
  mit  Recht,  der  Konfirmandenunterricht  werde  sich  bei  der  mangelnden
  Kenntnis  des  Hochdeutschen  seitens  der  Kinder  weit  ersprießlicher
gestalten,  sowie  die  Prediger  auch  der  Sprache  der  Kinder  kundig  seien
und  sie  im  Notfall  zur  Erläuterung  heranziehen  könnten.  Bezeichnend
ist  nämlich,  daß  die  hauptsächlichsten  Klagen  von  solchen  Geistlichen
erhoben  wurden,  die  die  Volkssprache  ihrer  Gemeinden  nicht  verstanden.

Um  zu  zeigen,  wie  es  einem  solchen  erging,  will  ich  hier  die  Geschichte
  des  Predigers  Christoph  Hemrich  Fischer  in  Hürup  in  Angeln
kurz  berühren,  die  für  die  Sprachgeschichte  nicht  unwichtig  ist  und  seit
Paulsen  den  Deutschen  immer  wieder  vorgerückt  wird,  als  wäre
diese  seltene  Ansnahme  eine  Regel  gewesen.  Ein  geborener  Sachse,
hatte  er  in  Kopenhagen  seine  theologische  Prüfung  bestanden,  dann
12  Jahre  in  Pommern  ein  Predigtamt  verwaltet,  war  aber  hier  durch
heftige  persönliche  Angriffe  gegen  den  schwedischen  General-Gouverneur
in  eine  üble  Lage  gekommen.  Um  1730  zum  Prediger  in  Hürup  ernannt,
  geriet  er  auch  hier  bald  wegen  seiner  völligen  Unkenntnis  der
Volkssprache,  teils  wegen  seines  heftigen  Wesens  mit  seiner  Gemeinde
in  bösen  Zwiespalt.  Er  gab  sich  freilich  alle  Mühe,  durch  Katechisationen
  die  hochdeutsche  Sprache,  die  nach  Gesetz  und  Herkommen  in
Kirche  und  Schulc  allein  herrschte,  an  den  Sonntagen  seinen  Bauern
beizubringen,  entschloß  sich  dann  aber  angesichts  seiner  Mißerfolge  um
seine  Versetzung  an  einen  guten  deutschen  Ort  nachzusuchen,  ohne  daß
doch  sein  Gesuch  Berücksichtigung  fand.  Am  5.  Juli  1738  machte  er
seiner  Verzweiflung  in  einer  Erklärung  Luft:  er  habe  bei  seinem  Amts-26.

