404  G.  Die  Sprache  der  Schule  und  ihr  Verhältnis  zur  Bolkssprache.

antritt  (1730)  viele  alte  Leute  gefunden,  die  kein  Deutsch  verständen.
das  erste  Gebot,  noch  weniger  die  übrigen,  und  in  dem  christlichen
Glauben  beten  könnten,  die  in  die  Kirche,  zur  Beichte  und  zum  Abendmahl
  gingen,  aber  nichts  verständen  von  der  deutschen  Sprache  und
was  in  ihr  abgehandelt  werde;  bei  solchen  bejammerswürdigen  Umständen
  erhelle,  wie  wenig  der  geschickteste  Fleiß  eines  treuen  Lehrers
bei  einem  verwilderten  Volke,  „dessen  Sprache  er  nicht  und  sie  seine
nicht  verständen“,  in  theoria  et  praxi  veri  christianismi  ausrichten
könne,  besonders  auch  deswegen,  weil  aus  der  Unwissenheit  die  Halsstarrigkeit
  in  Verharrung  der  bösen  Gewohnheiten  dem  afficio  pastorali
entgegen  sei.  Der  Küster  und  Schulmeister  müsse  die  deutsche  Sprache
vollkommen  verstehen,  die  Jugend  in  dieser  Sprache  unterrichten  und
wenigstens  die  Jugend  dazu  anhalten,  in  der  Schule  deutsch  zu  reden.
Die  Zwistigkeiten  mit  seiner  Gemeinde  wurden  noch  gefördert  durch  sein
persönliches  Verhalten;  als  die  Gemeinde  ihm  die  gewöhnlichen  Dienstleistungen
  entzog,  beantwortete  er  dieses  mit  der  Ausschließung  seiner
Gegner  vom  Abendmahl;  Verweise  und  Vorstellungen  der  Oberbehörden
waren  nutzlos;  es  folgten  Klagen  einzelner  und  1747  sämtlicher  Gemeindemitglieder
  gegen  ihn  wegen  ehrenrühriger  Außerungen  auf  der
Kanzel,  zugleich  mit  der  Bitte  um  einen  anderen  Prediger;  er  ward
in  einen  Prozeß  verwickelt,  der  im  Jahre  1750  zu  seiner  Absetzung
führte.  Die  Bauern  sollte  er  „Reckel  und  Bauernflegel,  grobe  Esel  und
unvernünftige  Ochsen“  genannt,  und  als  sie  seinen  Sohn,  einen  Kieler
Studenten,  einmal  durchgeprügelt,  gesagt  haben,  Könige  und  Fürsten
trügen  Degen  und  hätten  auch  den  Studierenden  erlaubt,  diese  als
ein  Ehrenzeichen  zu  tragen;  für  „dich  Bauer  aber  gehöret  nur  ein
Dröschflegel“.  Wenn  seine  Zuhörer  trotz  seines  Polterns  einschliefen,
meinte  er,  sie  könnten  sich  wegen  ihres  Grützefressens  nicht  wachhalten.
„Ihr  Kirchendiebe“,  sollte  er  ausgerufen  haben,  „ihr  Kirchenräuber,
welche  Mühe  habe  ich  nicht  mit  dieser  gottlosen  Hüruper  Gemeinde
gehabt?  Ach  Gott,  du  hast  mich  in  die  Hölle  gebracht,  da  fast  in
einem  jeden  Hause  meiner  Gemeinde  ein  Teufel  wohnt.  Es  wäre
besser  bei  denen  Türken  die  Stelle  eines  Sau=  als  bey  solchen  Christen
eines  Seelenhirten  zu  bekleiden.“  —  „Habe  ich  auch  Teufels  Gesinde
und  Höllenbrände  nicht  deutsch  reden  lehren  wollen?  was  hilft  es  aber,
dieses  Teufels  Gesinde  bleibt  immer  bey  ihrer  tollen  dänischen  Sprache