Die  schwierige  Lage  der  Gelstlichen.  405

(d.  h.  bei  ihrer  jütischen  Mundart),  im  Hause  unter  sich  und  allenthalben.“
  Nach  der  Predigt,  die  er  zu  seiner  Rechtfertigung  während
seines  Prozesses  herausgab,  wollte  er  nur  folgendes  gesagt  haben:  „Ist
das  der  Dank  für  meine  treue  Seelenarbeit  an  Jungen  und  Alten?
Anstatt  daß  ihr  Sonntages  Nachmittages  dem  Teufel  gedient  habet
mit  Saufen  und  Schmausen,  bey  Begräbniß-,  Hochzeit=  und  Kindtauffs-Fällen,
  habe  ich  ein  Catechismus-Examen  angeordnet,  um  die  teutsche
Sprache  und  durch  dieselbe  die  Glaubens-Lehre  und  Lebens-Pflichten
besser  beybringen  zu  können.  Aber  viele  habens  verachtet  und  die
gespottet,  welche  nach  meiner  öfftern  Vermahnung  mit  ihren  Kindern
teutsch  in  ihren  Häusern  sprechen  wollen.  Was  kann  dem  Teuffel
besser  gefallen  als  das,  da  ihr  in  cuer  nicht  weit  geltender  Sprache
nicht  das  Vater  unser,  die  Gebote  Gottes  beten,  noch  ein  Lied  singen
könnet,  der  Gottesdienst  und  alle  Handlungen  zum  Seelenheil  in  teutscher
Sprache  geschiehet,  daß  die  teutsche  Sprache  verachtet,  die  Jugend  zu
derselben  Erlernung  nicht  angehalten  wird  und  die  Alten  sich  dieselbe
nicht  besser  angewöhnen  wollen?  Denu  wenn  du  nicht  verstehest,  was
du  liesest,  singest,  betest,  predigen  hörest,  wie  kannst  du  mit  deinen
Kindern  Nutzen  vom  Singen,  Beten,  Predigt-Hören  haben?  O  verstockte
  Satans  Brut?“

Um  seiner  Gemeinde  näher  zu  treten  und  sein  Seelsorgeramt  in
pflichtmäßiger  Weise  auszuüben,  fehlte  ihm  die  erste  Vorbedingung,
die  Keuntnis  ihrer  Sprache;  statt  diese  sich  anzueignen,  was  ihm  allerdings
  als  einem  mitteldeutschen  Sachsen  wohl  kaum  möglich  war,  suchte
er  in  heißem  Bemühen  seine  eigene  Sprache,  die  mit  der  der  Kirche  und
Schule  übereinstimmte,  dem  Volke  beizubringen;  der  Widerstand,  den
er  hier  fand,  war  ihm  unbegreiflich,  das  geschichtliche  Recht  einer
Mundart  ihm  unfaßbar;  in  allem  sah  er  von  seinem  einseitigen  Standpunkt
  nichts  als  Trotz  und  Verstocktheit,  die  zu  heftigen  Ausbrüchen
einer  leidenschaftlichen  verbitterten  Stimmung  führte.  Seiner  Meinung
übrigens,  „die  Unkunde  der  teutschen  Sprache  in  Angeln  sei  fast  das
größte  Hindernis  der  Erkenntnis  Gottes“,  pflichtete  die  ganze  Geistlichkeit
  bei;  hatte  er  gefordert,  daß  die  Schulmeister  statt  der  Mundart
  auf  hochdentsch  unterrichteten,  so  gab  es  wieder  andere,  wie  der
Prediger  Ordorff  in  Grundhof,  die  noch  einen  Schritt  weiter  gingen
und  nur  solche  Personen  angestellt  wissen  wollten,  die  kein  Dänisch,