Neuordnung  des  Schulwesens  durch  den  Generalsuperintendenten  Adler.  407

unterricht  einzuführen;  dann  könne  man  nach  und  nach  ohne  vielen
Widerwillen  den  Übergang  von  der  deutschen  zu  der  dänischen  Sprache
machen.  Der  Generalsuperintendent  erklärte  diese  Vorstellung  für  begründet,
  aber  das  Tondernsche  Visitatorium,  vertreten  durch  den  Amtmann
  Bjelke  und  den  Propsten  Balthasar  Petersen,  erhob  scharfen
Widerspruch;  die  (platt)deutsche  Sprache  sei  unfehlbar  die  herrschende
in  der  Karrharde;  zum  Gefallen  der  Dienstboten,  die  größenteils  aus
den  nördlichen  Gegenden  stammten,  werde  dann  und  wann  eine  dänische
Rede  gehalten,  die  Bauern  verlangten  durchgehends  in  den  Schulen
Deutsch,  damit  ihre  Kinder  in  den  Städten  und  sonst  in  der  Fremde
besser  fortkämen;  deswegen  sei  eine  gänzliche  Anderung  des  Rituale
ins  Dänische  nicht  ratsam.  Man  begreift,  daß  das  Oberkonsistorium  auf
Grund  dieses  Bedenkens  eine  völlige  Umkehrung  des  immer  befolgten
Grundsatzes  nicht  gestattete  und  eine  Entscheidung  der  deutschen  Kanzlei
erwirkte,  wonach  es  bei  der  bisherigen  Einrichtung  zu  belassen  sei.

Alle  Maßnahmen  und  Verfügungen  der  Regierungsbehörden  auf
Besserung  des  Religions=  und  Katechismusunterrichts  gingen  von  falschen
  Voraussetzungen  aus  und  mußten  daher  so  gut  wie  wirkungslos
bleiben.  Wohl  hören  wir  einzelne  Stimmen,  die  von  merklichen  Früchten
des  Unterrichts  sprechen;  so  in  der  Husby=  und  Nieharde,  der  Landschaft
  Bredsted  und  in  der  Uggel=  und  Wiesharde;  hier  hätte  sich
im  Vergleich  zu  früher,  obgleich  es  an  den  meisten  Orten  keine  Sommerschulen
  gebe,  doch  die  Heilserkenntnis  bei  der  Jugend  so  gebessert,
„daß  sie  uns  davon  bey  den  Visitationen  (16.  Jan.  1779)  zu  unserem
Vergnügen  überzeugt  haben“,  indes  konnte  es  im  großen  und  ganzen
nicht  eher  besser  werden,  als  man  nicht  auf  dem  1786  gegründeten
Tondernschen  Seminar  hinlänglich  Lehrer  ausbildete,  die  der  dentschen
Sprache  mächtig  waren,  ehe  man  nicht  feste  Schulen  mit  festangestellten
  Lehrern  einrichtete,  überall  Winter=  und  Sommerschulunterricht
  einführte  und  den  Lehrern  genügende  Besoldung  gewährleistete.
Es  ist  dies  das  Lebenswerk  des  Generalsuperintendenten  Georg  Christian
Adler,  der  im  Jahre  1792,  erst  35  Jahre  alt,  sein  Amt  antrat;  er
bat  mit  großer  Besonnenheit  und  Mäßigung  in  rastloser,  unermüdlicher,
  langjähriger  Arbeit  die  Grundlage  gelegt,  auf  der  in  der  Folgezeit
  bis  auf  den  heutigen  Tag  das  ganze  Schulwesen  des  Herzogtums
aufgebaut  ist.  Freilich  fand  er  das  Schulwesen  im  Jahre  1797  nach