414  G.  Die  Sprache  der  Schule  und  ihr  Verhölints  zur  Bolkssprache.

zugesichert  ward,  war  auf  eine  allmähliche  Durchführung  zu  rechnen.
Als  der  König  am  3.  Februar  1829  von  der  deutschen  Kanzlei  Bericht
erforderte,  wie  viele  Bürger=  und  Volksschulen  es  gegenwärtig  in  jeder
Stadt  des  Herzogtums  gebe,  und  in  wie  vielen  Schulen  jeder  Stadt
der  Unterricht  auf  dänisch  und  in  wie  vielen  auf  deutsch  erteilt
werde,  kounte  Adler  mit  stiller  Genugtunng  darauf  hinweisen,  daß  in
den  51  höheren  und  niedrigen  Bürgerschulen  der  13  Städte  und
Flecken  des  Herzogtums,  mit  Ausnahme  der  beiden  Schulen  der  St.
Severinsgemeinde  der  Stadt  Hadersleben,  ausschließlich  hochdeutsche
Unterrichtssprache  herrsche.  Für  die  Landgemeinden  vergingen  indes
  noch  mehr  als  zwei  Jahrzehnte,  ehe  ihre  Schulen  völlig  nach
den  Grundsätzen  der  Schulordnung  ausgebaut  waren.  Begreiflich  ist
es,  daß  in  den  gemischten  Distrikten  nicht  sobald  die  Klagen  über
die  Schwierigkeiten  ihrer  Durchführrung  verstummten.  Einige  bezeichnende
  Stimmen,  die  in  die  Zeit  des  Übergangs  fallen,  mögen
hier  für  alle  reden.  „Eine  schwere  Arbeit  übernahm  ich“,  schreibt  der
Lehrer  des  Dorfes  Hörup  im  Kirchspiel  Nordhacksted  im  Jahre  1815,
„denn  ich  stellte  mir  die  Ingend  nicht  so  unwissend  vor,  als  ich  nachher
  nur  zu  bald  fand.  Mit  dem  Deutschen  besonders  mußte  ich
manche  saure  Mühe  anwenden,  ehe  ich  es  so  weit  brachte,  daß  wir
auch  nur  bei  der  kleinsten  Verstandesübung  einander  verständlich  werden
konnten;  alles  mußte  ihnen  verdeutscht  werden.“  Berichtet  nun  der
Pastor  Mumsen  1824  den  wirklichen  Verhältnissen  gemäß,  ein  großes
Hindernis  für  den  Schulunterricht  in  dieser  Gegend  sei,  daß  trotz
der  deutschen  Kirchen=  und  Schulsprache  die  Gemeindemitglieder,  alte
und  junge,  nichts  als  dänisch  (jütisch)  sprächen,  so  müßte  hier  ein  gewaltiger
  Rückschritt  seit  der  Zeit,  wo  Herr  Jürgen  hier  niederdeutsch
predigte  (S.  352  u.  419),  durch  die  Einführung  der  hochdeutschen  Amtsund
  Kirchensprache  eingetreten  sei;  indes  beweisen  die  späteren  Vorgänge,
daß  das  Niederdeutsche  als  Nebensprache  in  dieser  Gemeinde  damals
durchaus  noch  nicht  ausgestorben  war.  Der  Pastor  Nissen  in  Eggebek
klagt  1836  unter  anderm  über  den  sehr  mittelmäßigen  Kirchenbesuch
seiner  Gemeinde,  der  wohl  außer  einer  üblen,  einmal  eingerissenen
Gewohnheit  von  dem  Mangel  an  Bekanntschaft  mit  der  Sprache,  also
an  Empfänglichkeit  für  den  Vortrag  herrühre,  besonders  bei  dem
weniger  mit  plattdeutsch  Sprechenden  in  Berührung  kommenden  weib-