Die  allgemeine  Schnlordnung  v.  J.  1814.  415

lichen  Personal.  Nicht  weniger  erschien  dem  Geistlichen  in  Leck  für
einige  Dörfer  seiner  Gemeinde,  wie  Achtrup,  Oster-Schnatebüll  und
Sandacker,  der  Mangel  an  Kenntnis  der  Unterrichtssprache  für  die
geistige  Ausbildung  der  Jugend  neben  andern  ein  hindernder  Umstand,
da  die  Kinder  das  Lesen  in  einer  Sprache  leruten,  die  nicht  die
Sprache  des  Umgangs  und  ihnen  daher  größtenteils  fremd  sei;  ihre
schon  gesammelten  Erfahrungen  und  Begriffe  erwürben  sie  größtenteils
in  der  dänischen  (#ütischen)  Sprache;  diese  hörten  sie  täglich,  und  nur
diese  sprächen  sie.  In  ähnlicher  Weise  kehren  auch  in  anderen  mehr
oder  weniger  jütischredenden  Gegenden  die  Klagen  der  Geistlichkeit
wieder;  es  ist,  als  wenn  der  frühere,  sehr  dürftige  Unterricht  in  der
Mundart  ihnen  ersprießlicher  erschiene.  Nur  ganz  vereinzelt  wurde
die  Ordnung  von  1814  beiseite  geschoben  oder  auf  der  Kanzel  durchbrochen.
  Hatte  im  Jahre  1824  der  Prediger  Mumsen  ohne  Hindernis
in  Hacksted  dänische  Wochenpredigten  gehalten,  so  ging  der  Prediger
Jensen  in  Bau  einen  Schritt  weiter,  brachte  die  dänische  Sprache
wiederholt  auf  die  Kanzel  und  führte  Trauung,  Beichte  und  Leichenreden
  auf  dänisch  aus  in  vollem  Widerspruch  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen;
  ja  er  erteilte  den  Kindern  an  jedem  Mittwoch=  und  Sonnabend-Nachmittag
  nach  einem  von  ihm  selbst  ausgearbeiteten  Lesebuch
Unterricht  in  der  dänischen  Sprache  und  schien  damit  selbst  die  Schulordnung
  zu  verletzen;  er  ward  deswegen  1843  in  den  Ruhestand
versetzt.  Seine  Erklärung,  worin  er  unverhohlen  seiner  dänischen  Gesinnung
  Ausdruck  gibt,  ist  bezeichnend  für  die  damaligen  Schul=  und
Sprachverhältnisse  an  der  nördlichen  Grenze  der  gemischten  Gegend.
Bau  sei  die  erste  deutsche  Landgemeinde  im  Herzogtum,  das
heiße  aber  nur:  hier  werde  in  der  Kirche  und  in  den  Schulen  deutsch
—  denn  im  täglichen  Leben  werde  durchgäugig  „dänisch“  gesprochen:  es
fänden  sich  nur  wenige,  z.  B.  die  Fabrikanten,  deren  Umgangssprache
die  deutsche  sei,  und  nicht  viele,  die  deutsch,  d.  h.  plattdentsch  sprechen
und  verstehen  könnten;  letztere  sprächen  jedoch  nicht  (platt)deutsch  mit
ihren  Kindern,  diese  hörten  auch  von  andern  nur  dänisch  (jütisch),  folglich
müßten  sie  erst  in  der  Schule  demsch  lernen;  es  vergehe  viel  Zeit,  ehe
sie  durch  dieses  Mittel  Sachkenntnisse  erlangten,  und  deswegen  machten
sie,  abgesehen  von  dem  seltenen  Schulgange  im  Sommer,  nur  langsame
Fortschritte.  Die  meisten  könnten  daher  den  Konfirmationsunterricht  nicht