Dos  Niederdeutsche  als  Kindersprache  in  Mittelschleswig.  417

Hochdeutschen  als  allgemeiner  Amtssprache  unterbrochen  war.  Überall,
wo  vor  150  Jahren  niederdeutsch  gepredigt,  rechtgesprochen  und  Niederdeutsch
  die  höhere  Sprache  des  Verkehrs  geblieben  war,  gewann  es
als  Kindersprache  wieder  neues  Leben,  entwickelte  sich  kräftig,  um  dann
bald,  in  heißen  Kämpfen  gestählt  und  gestärkt,  auch  die  Mannessprache
zu  werden.

Soweit  bekannt,  taucht  die  erste  Hinweisung  auf  diesen  sprachlichen
  Vorgang  in  einem  Berichte  des  Predigers  Harries  in  Sieversted
auf,  der,  wie  es  heißt,  unter  Torfbauern  lebte,  die  ihn  nicht  verstanden
  und  denen  er  sich  nicht  mitteilen  konnte;  im  Jahre  1794  erklärt
  er,  ein  großes  Hindernis  des  Fortschreitens  in  vernünftiger  Erkenntnis
  sei  die  dänische  (jütische)  Sprache;  es  wäre  viel  gewonnen,
wenn  die  Eltern  sich  entschließen  könnten,  mit  ihren  Kindern  plattdeutsch
zu  reden.  Man  darf  daraus  schließen,  daß  die  Sitte  schon  damals
an  anderen  Stellen  geübt  ward;  wenigstens  war  sie  im  Beginn  des
19.  Jahrhundert  in  dem  südlichen  Angeln  bereits  allgemein;  bemerkten
doch  Amtmann  und  Propst  in  ihrem  Berichte  vom  28.  März  1811,
die  Eltern  seien  nach  und  nach  zu  der  Erkenntnis  gekommen,  daß  die
verdorbene  dänische  Sprache,  die  sie  ehedem  außer  dem  Plattdeutschen
mit  den  Kindern  geredet,  den  Erfolg  des  Unterrichts,  die  Verstandesund
  Herzensbildung  der  Kinder  gar  sehr  erschwere;  sie  redeten  daher
fast  allgemein  mit  ihren  Kindern  nur  plattdeutsch;  wahrscheinlich  werde
demnach  mit  der  gegenwärtigen  Generation  das  Dänische,  d.  h.  die
jütische  Mundart  in  Angeln  ganz  aussterben.  Fortan  finden  wir  Geistliche
  und  Lehrer  fast  überall  bemüht,  die  Ubung  des  Plattdeutschen  zu
verbreiten.  In  Rundhof,  Steinberg  und  Grosfolt  folgten  die  Eltern
diesem  Zuge  in  den  Jahren  1808  —  1818.

Die  Schilderung  des  Justitiar  Jaspersen  1811  von  den  sprachlichen
Verhältnissen  des  Gutes  Rundhof,  die  nach  ausdrücklichen  Zeugnissen  auch
für  die  Güter  Düttebüll,  Ostergaard,  Fahrensted,  Drült  und  Buckhagen
Geltung  hat,  gibt  darüber  hinlänglich  Aufklärung.  Nachdem  er  bemerkt,
daß  auf  dem  Gute  Rundhof  wie  in  ganz  Angeln  eine  Mundart  der
„uralten  dänischen  Volkssprache"  geredet  werde,  die  weit  mehr  Ahnlichkeit
habe  mit  der  Sprache,  die  in  Jütland,  als  mit  der,  die  in  Seeland
gesprochen  werde,  fährt  er  sort:  „Diese  Sprache  sprechen  die  Erwachsenen
immer  unter  sich,  weun  nicht  ein  Deutscher,  der  die  dänische  Sprache

Sach,  Das  Herzogtum  Schleswig.  III.  27