418  G.  Die  Sprache  der  Schule  und  ihr  Verhältnis  zur  Volkssprache.

nicht  versteht,  unter  ihnen  ist  und  an  dem  Gespräch  teilnimmt.  Mit
Ausnahme  einiger  wenigen  alten  Leute  können  auch  alle  Plattdeutsch.
weil  dies  die  gemeine  Sprache  des  Verkehrs  in  den  umliegenden  Städten,
besonders  in  Schleswig  ist,  auch  fast  immer  von  den  Pächtern  und  Verwaltern
  auf  dem  Hofe  Rundhof  usw.  gesprochen  worden  ist.  In  der
letztern  Zeit  haben  sie  daher  durchgehends  angefangen  mit  ihren
Kindern  plattdeutsch  zu  reden,  und  diese  sprechen  denn  auch  oft  bei
ihren  Spielen  unter  sich  diese  Mundart.  Obgleich  die  hochdeutsche  Sprache
ja  schon  seit  Jahrhunderten  die  einzige  Lehr=  und  Schriftsprache  ist,  so
habe  ich  doch  bei  vielen  Vorfällen  bemerkt,  daß  sie  den  alten  Landleuten
  nur  höchstens  halbverständlich  ist  und  daß  sie  nicht  imstande
sind,  den  Sinn  einer  zusammenhängenden  Rede  oder  eines  Dokuments
im  allgemeinen  ohne  vieles  Erklären  und  Übersetzen  in  die  anderen
obgedachten,  ihnen  bekannten  Mundarten  zu  fassen.  Mit  den  Jungen.
die  einen  besseren  Schulunterricht  genossen  haben,  verhält  es  sich  nicht
ganz  so;  wenigstens  können  die  Gescheutern  unter  ihnen  eine  populäre
Rede  oder  Schrift  in  hochdeutscher  Sprache  im  ganzen  richtig  verstehen.“
Am  längsten  sollen  die  Husbyer  dem  Deutschsprechen  der  Kinder  widerstrebt
  haben;  das  sei  Hochmut,  sagten  sie  nach  Jensens  handschriftlichem
Bericht;  aber  zuletzt  hätten  auch  sie  der  Vorstellung  nachgegeben,  das
Dänische  (Jütische)  sei  den  Kindern  hinderlich  an  ihrem  Christentum.-Dann
  sei  es  Gemwissensache  für  die  Eltern  geworden,  nicht  mehr  jütisch
zu  den  Kindern  zu  sprechen.  Aber  noch  im  Jahre  1846  berichtet  der
Prediger  Siemonsen,  für  die  bei  weitem  überwiegende  Mehrzahl  der
Gemeinde  Husby  sei  das  Dänische  (Jütische)  als  tägliche  Sprache  anzusehen.
  In  etwa  22  Familien  oder,  jede  Familie  zu  5  Personen
gerechnet,  von  110  Personen  werde  das  Deutsche,  d.  h.  die  plattdeutsche
Sprache  gebraucht,  obgleich  die  meisten  erwachsenen  Glieder  dieser
Familien  auch  das  „hiesige  Dänisch“  sprechen  könnten.  Zu  dem  auf
110  Personen  angeschlagenen  deutschredenden  Teil  der  Volkszahl  kämen
noch  sämtliche  unkonfirmierte  Kinder  der  dänisch(jütisch)redenden  Einge-Ppfarrten
  hinzu,  weil  die  dänischredenden  Eltern  mit  ihren  Kiudern
sowohl  ehe  diese  zur  Schule  kämen  als  während  deren  Schulzeit
durchgängig  plattdeutsch  sprächen.  Die  Zahl  der  dahingehörigen  Kinder
möge  sich  auf  350  belaufen;  indes  gingen  von  diesen  bei  weitem  die
meisten  nach  ihrer  Konfirmation  allmählich  wieder  zum  Gebrauch  der