428  H.  Die  dänischen  Sprachrestripte  vom  Jahre  1851  und  ihre  Folgen.

H.  Die  dänischen  Sprachreskripte  vom  Jahre  1851
und  ihre  Folgen.

Die  schleswig-holsteinische  Erhebung  war  niedergeworfen,  das
Land  an  Dänemark  ausgeliefert;  das  dänische  Volk  erschien  wie  berauscht
  von  einem  Siege,  den  es  nach  dreijährigem  Kampfe  über  die
„Rebellen“  errungen  hatte.  Wer  dachte  noch  daran,  daß  es  trotz.
aller  Fehler  Willisens  der  dänischen  Übermacht  nur  mit  der  äußersten
Anstrengung  gelungen  war,  die  Schleswig-Holsteiner  bei  Idsted  zum
Weichen  und  zum  Rückzuge  zu  zwingen?  Wer  mochte  sich  gestehen,
daß  einzig  und  allein  die  von  Süden  heranziehende  Heeresmacht
Esterreichs  und  Preußens  den  Schleswig-Holsteinern  die  Waffen  entwunden
  und  sie  Dänemark  als  reiche  Beute  überliefert  hatte?  Die
regierende  eiderdänische  Partei  betrachtete  das  Herzogtum  Schleswig
als  eine  eroberte  Provinz  und  war  entschlossen,  das  Kriegsrecht  des
Siegers  in  vollem  Maße  walten  zu  lassen;  sie  hatte  mit  Hülfe  der
nordschleswigschen  Sprachsache  das  alte  Landesrecht  gesprengt  und  hielt
den  günstigen  Zeitpunkt  für  gekommen,  „durch  eine  gesunde  dänische
Nationalpolitik  das  uralte  Recht  der  dänischen  Sprache  auf  Südjütland“
  wieder  zur  vollen  Geltung  zu  bringen,  d.  h.  die  gesamte  nationale
und  sprachliche  Entwickelung  des  Herzogtums  um  Jahrhunderte  zurückzuschrauben.
  Die  Geschichte  lehrt  genug,  wie  große  Kulturvölker  durch
Gewaltmaßregeln  aller  Art  kleineren,  niedriger  stehenden,  fremden  Nationen
  mit  der  Sprache  auch  das  eigentliche  Volkstum  geraubt  haben,
aber  daß  ein  kleines  Volk  derselben  großen  Nation,  deren  Hauptmächte
  ihm  allein  zum  Siege  verholfen,  eben  dieses  gemeinsam  lahmgelegte
  Glied  geradezu  vom  Leibe  abschneiden  könne,  ohne  sich  dabei
mit  der  Zeit  den  Schädel  einzurennen,  dafür  sollte  noch  erst  ein  Beispiel
  geliefert  werden.  Gestützt  auf  die  günstige  Weltlage  und  den
Beistand  der  Großmächte,  glaubten  die  Dänen  in  voller  Sicherheit
dieses  Werk  angreifen  und  auch  ausführen  zu  können.  Statt  die  Herzogtümer,
  die  sich  von  aller  Welt  verlassen  fühlten  und  ohne  jegliche  Hoffnung
  in  die  Zukunft  sahen,  durch  geeignete  Maßnahmen  zu  versöhnen,
wie  es  damals  einer  verständigen,  in  die  Zukunft  schauenden  Politik