H.  Die  dänischen  Sprachreskripte  vom  Jahre  1851  und  ihre  Folgen.  429

ohne  Frage  möglich  gewesen  wäre,  fachten  sie  den  nur  noch  glimmenden
Funken  des  Widerstands  von  neuem  an,  gossen  immer  neues  Ol  ins
Feuer,  bis  es  zuletzt  zu  hellen  Flammen  aufloderte.

Schon  war  die  Umgestaltung  der  Haderslebener  gelehrten  Schule
(24.  Juli  1850)  in  eine  dänische  verfügt,  in  den  Monaten  November
und  Dezember  desselben  Jahres  für  die  Städte  Hadersleben,  Apenrade,
  Tondern  und  Sonderburg  abwechselnde  Kirchensprache,  in  den
städtischen  Bürger=  und  Volksschulen  die  dänische  Unterrichtssprache
eingeführt,  die  deutsche  Sprache  so  zu  einem  bloßen  Lehrgegenstand
gemacht  und  auch  die  Verpflichtung  der  Lehrer  an  den  dänischen
Volksschulen  des  nördlichen  Schleswigs,  den  Kindern  außerhalb  der
gewöhnlichen  Schulstunden  auf  Wunsch  der  Eltern  wöchentlich  3  Stunden
deutschen  Unterricht  zu  erteilen,  außer  Kraft  gesetzt,  da  folgten  im
Februar  und  März  1851  für  die  einzelnen  Propsteien  der  sogenannten
gemischten  Distrikte,  aber  in  übereinstimmendem  Wortlaut,  jene  denkwürdigen
  Sprachreskripte,  die  den  Grund  zu  einem  neuen  dänischen
Volkstum  im  Herzen  des  Herzogtums  legen  sollten.  Überall,  wo
bisher  ausschließlich  deutsche  Kirchensprache  geherrscht,  hatte  fortan  abwechselnd
  dänische  stattzufinden;  beide  Sprachen  sollten  in  der  Weise  gleichberechtigt
  sein,  daß  für  Taufe,  Konfirmation,  Trauung  und  Begräbnisrede
den  Beteiligten  die  Wahl  der  Sprache  freistand  und  für  Beichte  und
Abendmahl  die  deutsche  an  den  Sonntagen  mit  deutscher,  die  dänische
an  denen  mit  dänischer  Predigt  in  Anwendung  kam.  Dabei  ward
die  gestattete  freie  Sprachwahl  für  die  Konfirmation,  die  selbstverständlich
  auch  dieselbe  Freiheit  für  den  vorbereitenden  Unterricht  voraussetzt,
  durch  die  ausschließliche  Erteilung  dieses  Unterrichts  in  dänischer
Sprache  völlig  illusorisch  gemacht.  Die  Schulen  selbst  erhielten  statt
der  bisherigen  deutschen  nunmehr  denische  Unterrichtssprache;  das
Deutsche,  zum  bloßen  Lehrgegenstand  herabgedrückt,  sah  sich  auf  vier
Stunden  wöchentlichen  Unterricht  beschränkt.  Die  Verschiedenheit,  die
in  dem  gemischten  Distrikt  demnach  zwischen  der  Kirchen=  und  Schulsprache
  bestand,  erklärt  sich  aus  wohlerwogenen  Absichten;  dem  älteren
Geschlechte  ließ  man  einen  Teil  seiner  Sprache  im  Gottesdienst,  um
es  einstweilen  zu  beruhigen;  war  erst  die  Jugend  zu  guten  Dänen
herangebildet,  dann  war  auch  die  Zeit  gekommen,  wo  die  deutsche
Predigt  ebenso  ganz  aus  den  Kirchen  verschwinden  konnte,  wie  sie