432  H.  Die  däntschen  Sprachrestripte  vom  Jahre  1851  und  ihre  Folgen.

Schulsprache  mit  Einschluß  der  nördlichen  Städte  fast  zwei  Dritteile
der  Bevölkerung.  Durch  die  Bildung  des  sogenannten  gemischten  Distrikts
mit  völlig  dänischer  Schulsprache  und  halber  deutscher  Kirchensprache
ward  dieses  Verhältnis  gänzlich  zugunsten  des  Dänischen  verschoben.
Im  Norden  durch  eine  von  Tondern  nach  Bau  gezogene  Linie,  im
Westen  durch  das  nordfriesische  Sprachgebiet  begrenzt,  das  sich  von
Tondern  bis  nahe  an  Husum  in  ½—2  Meilen  Abstand  von  der  Küste
erstreckt,  ward  dieser  Distrikt  von  dem  niederdeutschen  Süden  durch
eine  Linie  geschieden,  die  sich  von  Schwesing  östlich  zwischen  Treia  und
Hollingsted  hindurch,  von  dort  nördlich  bis  Gammellund  und  Idstod
und  weiter  nordöstlich  zwischen  Tolk  und  Boel  hindurch  in  1—2  Meilen
Entfernung  von  der  Schlei  hinzog  und  östlich  von  Kappeln  die  Schlei
erreichte.  Er  umsaßte  48  Kirchspiele  mit  168  Schulen  in  den  Propsteien
Flensburg,  Tondern,  Bredsted,  Husum  und  Schleswig  und  mit  Einschluß
  der  Städte  Hadersleben,  Apenrade,  Tondern  und  Sonderburg
gegen  80  —  85000  Einwohner.  1)  Die  Bevölkerung  dieser  Gebiete
trägt,  wenn  auch  ursprünglich  durchweg  gleichen  Stammes,  noch  heute
einen  wesentlich  verschiedenen  Charakter,  der  von  ihren  Lebensgewohnheiten,
  der  Bodenbeschaffenheit,  ihren  Erwerbsquellen  u.  a.  mitbestimmt
ward.  Der  Angler,  auf  seinem  fruchtbaren  Boden  durchweg  wohlhabend
  geworden,  lebhaften  Geistes  und  intelligent,  in  stetem  Verkehr
mit  den  benachbarten  Städten,  hatte  die  deutsche  Bildung  schätzen  gelernt;
  als  ein  Glied  einer  Art  Bauernaristokratie  ebenso  selbstbewußt,
wie  nur  irgend  ein  Bauer  in  einer  holsteinischen  Landschaft,  war  er
wenig  gewillt,  sich  Zwangsmaßregeln  zu  sügen,  die  seinem  ganzen  Wesen
widersprachen.  Die  dänische  Regierung  sollte  daneben  aber  auch  erfahren,
  was  es  bedeutet,  wenn  der  Holsteiner  von  jemandem  sagt:
he  het  dat  dick  achter  de  ohren.  „Se  hebben  mehr  verstand.  sagt  um
1844  ein  Angler  von  seinen  Landsleuten,  „as  man  globen  (glowen)  scholl,
wenn  man  8e  toerst  kennen  lert,  denn  sc  seggen  ehr  menung  nich  so  lik
to  as  de  Heolstener,  de  öft  groff  sind  (sünd).  De  Angler  luren  dat  erst.

enmal  af,  mit  wen  se  to  don  hebben,  un  wo  de  mit  sin  snak  hen  will,
mit  de  (den)  se  spreken,  un  woto  he  dat  wol  bruken  will,  wat  se  em  seggen.

1)  Adler  in  Zeitschrift  XXI.  22  fj.,  wo  auch  die  Zahlen  im  einzelnen
genau  angegeben  werden.  Vergl.  die  Berechnung  bei  Hanssen  184  ff.  und  die
auf  Grund  der  Sprachreskripte  entworfene  Karte  bei  Allen  II.,  sowie  die  Ausführung
  in  Haandbog  i  det  nordsl.  S.  H.  174  u.  181.