438  H.  Die  dãnischen  Sprachreskripte  vom  Jahre  1851  und  ihre  Folgen.

Die  meisten  Einwohner  in  diesen  Kirchspielen  sind  indes  infolge
der  bis  1850  herrschenden  deutschen  Unterrichtssprache  1)  auch  dieser
Sprache  mächtig  und  lesen  und  schreiben  nur  deutsch.  Viele  Einwohner
in  diesen  Kirchspielen  besitzen  auch  Fertigkeit  in  der  plattdeutschen
Sprache,  und  das  Plattdeutsche  wird  in  diesen  Kirchspielen  desto  häufiger
gebraucht,  je  näher  sie  den  Grenzen  der  vollständig  deutschen  Distrikte
liegen  oder  je  mehr  der  Verkehr  mit  diesen  den  Gebrauch  des  Plattdeutschen
  notwendig  macht.  Im  Kirchspiel  Viöl,  das  an  drei  Seiten
an  vollkommen  deutsche  Distrikte  grenzt,  ist  die  Sprache  so  gemischt,
daß  es  nicht  möglich  ist,  eine  von  den  genannten  Sprachen  als  die
herrschende  zu  bezeichnen.)

3.  In  den  zur  Propstei  Tondern  gehörenden  Kirchspielen  Enge,
Stedesand,  Dagebüll,  Deezbüll,  Fahretost,  Lindholm.  Niebüll,  Riesum.
Emmelsbüll,  Horsbüll,  Klanxbüll,  Neukirchen,  Rodenäs  und  auf  den
zum  Herzogtum  Schleswig  gehörenden  Inseln  an  der  Westküste  ist  die
Volkssprache  und  die  Muttersprache  der  Kinder  friesisch,  wenngleich
die  Friesen  im  Umgang  mit  anderen  gewöhnlich  auch  dänisch  (jütisch)
oder  plattdeutsch  sprechen.

4.  In  der  Stadt  Flensburg  und  den  zur  Propstei  Flensburg
gehörenden,  in  Angeln  liegenden  Kirchspielen  Adelby.  Glücksburg.
Munkbrarup,  Grundhof,  Neukirchen,  Quern,  Steinberg,  Sterup,  Esgrus,
Gelting,  Hürup,  Rüllschau,  Husbys),  Sörup,  Groß=  und  Klein-Solt
Oversee  und  Sieversted  sowie  in  den  gleichfalls  zur  Propstei  Flensburg
  gehörenden  Kirchspielen  Eggebek  und  Jörl  ist  die  Volkssprache
und  namentlich  ausschließliche  Kindersprache  plaltdeutsch.  In  den  genannten
  Kirchspielen  der  Propstei  Flensburg,  doch  mit  Ausnahme  von
Gelting,  Esgrus  und  dem  größten  Teil  des  Kirchspiels  Sörup,  finden
sich  allerdings  insoweit  Reste  der  dänischen  (jütischen)  Sprache,  als  die
Erwachsenen  bis  zu  einem  Alter  von  40  Jahren  zum  größten  Teil
„dänisch“  verstehen,  wenn  von  Gegenständen  des  täglichen  Lebens  die

1)  Nach  einer  Bemerkung  des  Hofbesitzers  Mommsen  (S.  650)  erklärte  sich
der  Amtragsteller  damit  einverstanden,  wenn  die  Worte:  „infolge  —  Unterrichtssprache“
  gestrichen  würden.

2)  Vergl.  Ständez.  648.

3)  Bei  der  Debatte  bezweiselt  der  Präsident  die  Richtigkeit  der  oben  S.  418.
419  angeführten  Angaben  des  Pastors  Siemonsen;  er  beruft  sich  dabel  auch  auf
Hagerups  Bemerkungen  in  der  Einleitung.