Das  Minoritätsvotum  der  Stände  v.  J.  1864.  439

Rede  ist,  und  obwohl  sie  untereinander  nicht  mehr  deänisch  (jütisch)
reden,  doch  wenn  sie  dazu  veranlaßt  werden,  innerhalb  der  angegebenen
Grenzen  sich  in  dieser  Sprache  ausdrücken  können.  Ferner  reden  die
Leute,  die  zwischen  40  und  60  Jahren  alt  sind,  im  täglichen  Leben  sehr
oft  untereinander  Dänisch  (Jütisch)  und  die  über  60  Jahre  alten  auch  noch
im  täglichen  Leben  lieber  Dänisch  (Jütisch)  als  plattdeutsch.  Diese
Reste  der  dänischen  (jütischen)  Sprache  beschränken  sich  indes,  wie  schon
bemerkt,  nur  auf  das  Gebiet  des  täglichen  Lebens;  dagegen  ist  die
dänische  Sprache  allen  Einwohnern  der  genannten  Kirchspiele  vollkommen
  unbekannt  als  Rechts=  und  Geschäftssprache,  oder  wenn  von
Religion  oder  Moral  die  Rede  ist,  und  wird  in  einem  solchen  Falle
nicht  einmal  von  den  ältesten  Leuten  verstanden.  In  diesen  Distrikten
sprechen  die  Kinder  auch  nur  und  ausschließlich  plattdeutsch.

5.  In  den  Propsteien  Fehmarn,  Gottorp  und  Hütten,  Eidersted
und  Husum  und  Bredsted  ist,  mit  Ausnahme  der  sub  2  genannten,
zu  den  letztgenannten  Propsteien  gehörenden  Kirchspielen,  die  Volkssprache
  und  die  Muttersprache  der  Kinder  allein  plattdeutsch  und  die
„dänische“  Sprache  wird  hier,  selbst  in  täglicher  Rede,  nur  von  sehr
wenigen  verstanden.  Dies  gilt  namentlich  auch  für  die  zur  Gottorper
Propstei  gehörenden  Kirchspiele  Treia,  Ulsby  und  Fahrensted.  Satrup,
Struxdorf  und  Thumby,  Boel  und  Norderbrarup,  wogegen  der  Verhalt
  in  dem  gleichfalls  zur  Gottorper  Propstei  gehörenden  Kirchspiel
Havetoft  in  sprachlicher  Hinsicht  ganz  dasselbe  ist,  wie  in  den  sub  4
genannten  Kirchspielen  letzter  Abteilung.  Namentlich  in  dem  zur
Propstei  Husum  und  Bredsted  gehörenden  Kirchspiel  Schwesing  ist  die
Volkssprache  und  die  Muttersprache  der  Kinder  plattdeutsch.“

Wer  eine  Vorstellung  von  dem  ungeheuren  Kampf  gewinnen  will,
den  die  Bevölkerung  in  den  sogenannten  gemischten  Distrikten  um  die
Sprache  führte,  muß  einen  Blick  werfen  in  diese  erregten  Verhandlungen
  der  Stände;  hier  strömte  auch  trotz  aller  Einschränkung  des
Petitionsrechts  die  Menge  der  Petitionen  zusammen,  die  um  Wiederherstellung
  der  früheren  Verhältnisse  und  um  Aufhebung  der  Sprachreskripte
  nachsuchten.  In  der  Ständezeitung  vom  Jahre  1854/55
füllen  sie  z.  B.  über  20  Seiten.1!)  Um  die  Erinnerung  an  die  schweren

1)  Ständezeitung  (dänische  Ausgabe)  Anhang  431—  451  Nr.  44  bis  318.