444  H.  Die  dänischen  Sprachrestripte  vom  Jahre  1851  und  ihre  Folgen.

av  aa  Dansk  i  e  Kierk;  han  säs  te  er  sagte  zu  den  Leuten:  ich  habe  es
e  Folk.  ##  hær  tæjoen  feil,  an  faat  ot  aus  Versehen  aus  Dänisch  mitbekomme
  aa  Danusk,  aaber  I  Gammel  for-  men,  aber  ihr  Alten  versteht  es  ja
stor  et  jo  nok“.  wohl.“!)

Angesichts  des  wirklichen  Sprachverhalts  ist  es  begreiflich,  daß
sich  der  ganze  Haß  auf  die  plattdeutsche  Sprache  Angelns  warf,  von
der  die  jütische  Mundart  so  gut  wie  vernichtet  war.  Aber  auffallend
ist  es  doch,  wie  tüchtige  dänische  Forscher,  die  sonst  nur  mit  voller
Hochachtung  von  der  niederdeutschen  Sprache  reden,  sich  dazu  hinreißen
  lassen,  das  anglische  Plattdeutsch  geradezu  in  die  Hölle  zu  verfluchen.


Immer  und  immer  wieder  suchen  sie  nachzuweisen,  das  Angler
Plattdeutsch  sei  kein  wahres  Plattdeutsch,  es  sei  halb  „dänisch“  und
habe  keine  Existenzberechtigung.z)  Ohne  genägende  Kenntnis  der  im
Volksmunde  lebendigen  niederdeutschen  Sprache,  wie  sie  in  Holstein
herrscht,  verfallen  sie  in  denselben  Fehler,  den  sie  den  Deutschen
bei  ihrer  Beurteilung  der  jütischen  Mundart  nicht  genug  vorwerfen
können:  „Wie  diese  verzweifelte  Mundart  entstanden  ist“,  ruft  1860
ein  ungenannter  Angelbo,  ein  dänischer  Geistlicher  jener  Zeit,  tiefergrimmt
  aus  ),  „das  zu  untersuchen,  steht  hier  nicht  zur  Frage;  sie
existiert  dort  nun  einmal  und  wird  wohl  auch  bis  weiter  dort  fortexistieren,
  wie  sehr  man  auch,  nicht  nur  aus  politischen,  sondern  auch
aus  ästhetischen  Gründen,  wünschen  möchte,  sie  mit  der  Wurzel  ausrotten
  zu  können.  Es  gibt  wohl  kaum  eine  häßlichere  Sprache,  und
man  kann  gewiß  lange  suchen,  ehe  man  eine  unvollkommnere  findet.
Wie  kann  dieses  auch  anders  sein?  Sie  ist  ja  doch  nur  eine  Mißgeburt
  einer  unnatürlichen  Verbindung  des  Dänischen  (Jütischen)  und

1)  Andere  Sprachproben  der  jütischen  Mundart  finden  sich,  mehr  oder
weniger  etwas  dänisch  gefärbt,  in  Nyt.  bist.  Ticskrikt  6.  Auch  bei  Allen  II.
689  ff.

2)  Sie  berufen  sich  dabei  gern  auf  Kohl  (Bemerkungen  über  die  Verhältnisse
  der  deutschen  und  dänischen  Nationalität  und  Sprache  im  Herzogtum
Schleswig  166),  der  gleichfalls  in  der  beliebten  Weise  jener  Zeit  die  Angler
Sprache  ein  dänisch-plattdeutsches  Jargon  nennt;  auch  er  urteilt  nach  gewissen
Außerlichkeiten  und  geht  nicht  auf  das  eigentliche  Wesen  der  Sprache  ein.
Siehe  unten  die  Sprachproben.

3)  Slesv.  Provindsielefter.  I.  4.  S.  354.  1860.