Das  Niederdeutsche  in  Angeln.  447

Sprachproben  aus  dem  damals  noch  zweisprachigen  Kirchspiel  Tolk,
die  der  Reisende  Keller  im  Jahre  1824  in  Okens  Isis  mitteilt,
mögen  noch  das  Bild  vervollständigen.  Beides  sind  Ubersetzungen  von
Lucas  15,  11ff.

Niederdeutsche  Sprachprobe  aus  dem  Kirchspiel  Tolk  (1824).1)

Eu  man  har  twee  söhns.  Un  de  jöngst  van  se  lehr]  seeg  to  sien
Isien’'n]  vader:  Gev  mi,  vader,  dat  deel  van  dat  god,  wat  mi  to  hört.  Un
he  deelt'se  lehr])  dat  god  to.  Un  nicht  lang  darnah  nehm  de  jöngst  söhn  alt  sall
to  hoop  un  trock  wiet  öwer  land  un  dasülm  (darsülwes)  breek  Ibröchl  he  sien  god
mälmitl  prassen  döhr.  As  he  nu  all  dat  siene  vertehrt  har,  da  warr’ne  grot  düer
tid  Ldürnis]  döhr  dat  sülwige  land,  un  he  fung  an  nood  to  lieden.  Un  he  ging
Igüng]  hen  un  verhüer  sik  bi  en  lenen]  börger  van  dat  sülwige  land,  un  de
schicktt  em  op  sien  feld,  de  swien  to  höiden.  Un  he  wull  sien  (sienen])  bunk
me  Imit]  de  sei  füll'’n,  de  de  swien  freten,  un  nümms  geev  se  ddel  em.  Do
slog  he  in  sik  un  sprök:  wo  veel  daglöhners  het  mien  vader,  de  brod  g'nog
snog]  bebb’n,  un  ik  verdarf  in  hunger.  Ik  will  mi  opmaken  un  to  mien
Lmienen)  vader  gahn  un  to  em  seggen:  vader,  ik  heff  sünnigt  in  Himmel
lIhäven]  un  vär  di  un  ik  bün  nu  nich  mehr  wert,  dat  ik  dien  söhn  heete,
maak  mi  as  en  van  dien  (dien’'n)  daglöhners.  Un  he  makt'’  sik  op  un  köm
to  sien  ssionen]  vader.  As  he  aweist  noch  wiet  af  weor,  seg  em  sien  vader,
un  he  duert'  em.  leep  un  feel  (fulll  em  om  sien  (sien'n]  hals  un  küsst  em.

2.  Jütische  Mundart  aus  demselben  Kirchspiel  (1824).

En  main  ho  tou  sönner,  a  den  öngst  so  te  hains  far:  Gie  mä,  far,
den  diel  a  püng,  de  müä  bhörr,  a  hain  dielt  em  de  päng.  à  int  läng  derütter
sankede  den  öngst  sön  olt  sammel  a  gik  wied  ur  lain,  a  der  ferkamm  hein
oll  püng  mä  frern  a  drikken.  Som  hain  no  ho  oll  hains  püng  fertehr,  so
kamm  en  stur  dyer  tee(d)  i  ä  biel  lain,  a  hain  begyint  a  honger,  a  gik
hen  a  ween  ssä  te'n  main  i  ü  stai;  den  schikkede  hain  to  markens.,  te  a
war  à  schwin;  a  hain  will  fyll  hains  lin  mä  auen.  de  de  schwin  frar,  a  ingen
ga  ham  nauer.  Da  gik  hain  i  ssä  a  so:  wo  mange  davlönner  herr  min  far,
som  der  ha  brö  nok,  a  äl  ferdärrere  for  hunger;  a  ä  will  sto  op  a  go  hen
te  min  far  a  see  te  ham:  Far,  ä  her  gier  uret  i  himmele  a  for  dæ,  a  ä  er
no  ikke  bet  wär  a  jirr  din  sön,  gier  mä  te  din  davlönner.  A  hain  sto  op
a  kam  te  hains  far.  Som  hain  awer  innu  war  wied  darfro,  so  hains  far
ham,  a  de  gier  ham  weh,  reen  hen  a  follt  ham  om  ä  hals  a  ge  ham  sött.

Zum  Schluß  wollen  wir  neben  dieser  Männersprache  auch  noch
die  Kinder  reden  lassen,  deren  Sprache  für  Angeln  von  so  großer

1)  Einige  offenbare  Druckfehler  in  der  Vorlage  in  Okens  Isis  habe  ich
verbessert.