450  H.  Die  dänischen  Sprachrestripie  vom  Jahre  1851  und  ihre  Folgen.

18.  und  19.  Jahrhunderts  durch  die  hochdeutsche  Kirchen=  und  Schulsprache
  und  durch  eifrige  Lektüre  früher,  als  es  im  Holsteinischen  geschah,
mannigfach  hochdeutsche  Worte  und  Bildungen  eingedrungen  sind;  das
hängt  mit  der  dem  Angler  eigentümlichen  Neigung  zusammen,  sich
eine  feinere  Bildung  anzueignen.  Um  so  mehr  glaubte  er  auch  Anspruch
  darauf  zu  haben,  „mit  to  dat  dütsche“  gerechnet  zu  werden.

Der  Verfasser  jener  Schilderung  Angelns  und  der  Angler  sagt
schon  im  Anfang  der  vierziger  Jahre  voraus,  die  Angler  würden
wohl  ziemlich  unruhig  werden,  wenn  man  bei  ihnen  die  dänische
Sprache  einführen  wollte.  Er  kennt  die  deutsche  Gesinnung  seiner
Landsleute,  die  in  dem  Niederdeutschen  ihren  Träger  fand,  und  wußte,
wie  sie  auf  ihr  Selbstbestimmungsrecht  pochten  und  ihre  Kirchen=  und
Schulsprache  sich  nicht  leicht  nehmen  lassen  würden.  Nichts  war  für
die  dänische  Regierung  schwieriger  als  diese  Gesinnung  bei  dem  ganz
besonders  eigenartigen,  oben  (S.  432)  geschilderten  Charakter  des  Volkes
mit  irgendwelchem  Erfolg  zu  bekämpfen.  Nur  aus  der  gänzlichen
Hoffnungslosigkeit,  dieses  Geschlecht  zu  gewinnen,  erklären  sich  auch
jene  sonst  unbegreiflichen  Außerungen,  womit  Allen  die  Gewaltmaßregeln
  der  Regierung  zu  rechtfertigen  sucht.1)

„Deutscherseits“,  sagt  er,  „hat  man  ein  Auskunftsmittel  vorgeschlagen,
  welches  alles  zum  Frieden,  zur  völligen  Harmonie  und
glücklichen  Eintracht  zurückführen  werde,  nämlich  die  Gemeinden  selbst
darüber  abstimmen  zu  lassen,  ob  sie  dänische  oder  deutsche  Kirchenund
  Schulsprache  haben  wollen.  Diesem  Rate  liegt  aber  eine  große
Dummheit  zugrunde,  wenn  die  Urheber  dieses  Vorschlags  etwa  geglaubt
  haben,  daß  irgend  jemand,  der  die  schleswigschen  Verhältnisse
genauer  kennt,  demselben  beistimmen  werde;  viel  eher  möchten  wir
denselben  als  eine  nicht  geringe  Hinterlist  bezeichnen,  welche  darauf
abzielt,  die  dänische  Regierung  bei  den  vielen,  denen  die  schleswigschen
  Verhältnisse,  wenn  nicht  ganz,  so  doch  großenteils  unbekannt
sind,  namentlich  im  Auslande  anzuschwärzen  und  verhaßt  zu  machen,
da  sie  auf  einen  scheinbar  so  billigen  und  unparteiischen  Vorschlag
nicht  eingehen  will.  Wir  haben  oben  nachgewiesen,  wie  viele  schlechte
und  unberechtigte  Elemente  ihren  Einfluß  auf  die  Stimmung  des

1)  Allen  II.  621  f.