Allens  Vertelolgung  der  Sprachreskripte.  451

Volkes  ausübten:  eine  alberne  und  zugleich  strafwürdige  Geringschätzung
der  guten  Muttersprache,  von  den  deutschen  Lehrern  der  Bevölkerung
eingeflößt,  eine  ebenso  unsinnige  Vorliebe  für  eine  fremde  Sprache,
welche  natürlich  auf  dieselbe  Quelle  zurückzuführen  ist,  eine  dem  Vaterlande
  feindselige  Gesinnung,  welche  noch  von  dem  Pesthauch  des  kürzlich
  gedämpften  Aufruhrs  belebt  und  sowohl  von  in=  als  ausländischen
Wühlern  angefacht  wird,  eine  Gesinnung,  der  die  tückische  Nachbarmacht,
  stets  lauernd  und  mit  dem  Netze  zum  Fange  bereit,  neue
Nahrung  zuführt,  sobald  sie  zu  ermatten  droht.  Es  wäre  unverantwortlich,
  ein  Geschlecht,  das  solchen  Einflüssen  ausgesetzt  und  in
solchen  Vorurteilen  befangen  ist,  selbst  eine  Sache  entscheiden  zu  lassen,
welche  nicht  nur  ihr  eigenes  geistiges  Wohl  betrifft,  sondern  auch  das
aller  zukünftigen  Geschlechter.  Die  auf=  und  abschwankende,  sich  selbst
widersprechende,  von  augenblicklichen  Verhältnissen  abhängige  Stimmung
  dieser  Generation  darf  nicht  für  alle  Zeiten  maßgebend  und
bindend  werden,  denn  sie  leidet  an  einer  tiefwurzelnden  geistigen  Krankheit,
  welche  sie  dasjenige  ganz  verkennen  läßt,  was  ihr  in  gesundem
Zustande  das  Teuerste  und  Liebste  sein  würde;  sie  stößt  die  Muttersprache
  als  etwas  Unreines  von  sich  und  wendet  sich  mit  Haß  vom
Vaterlande  ab.  Ist  aber  dieses  Geschlecht  krank,  so  kommt  es  dem
Arzte  zu,  das  Heilmittel  zu  bestimmen,  selbst  wenn  es  dem  Kranken
zuwider  sein  sollte,  und  ist  das  Geschlecht  unmündig,  so  muß  man  ihm
einen  Vormünder  geben,  der  nicht  das  Wohl  seines  Mündels,  sondern
auch  das  aller  folgenden  Erben  in  Erwägung  ziehen  soll.  Künftige
Geschlechter  werden  die  dänische  Regierung  segnen  und  das,  was  sie
in  diesen  Jahren  getan  hat,  dankbar  anerkennen,  wenn  auch  die  jetzige
Generation  den  guten  Willen  verkennt  und  vielleicht,  wenigstens  eine
Zeitlang,  verkennen  muß.“"  1)

1)  Merkwürdig  ist  die  Mischung  von  Lob  und  Tadel,  die  das  Haandbog
für  die  Sprachreskripte  hat:  Sprogrekripternes  Maal  var  faldtud  berettiget.
Det  var  vor  Pligt  som  vor  Ret,  at  ve#erne  om  vorteget,  at  seette  Skranke
for  den  hensynslöse  Propaganda,  der  igennem  mange  Sleegtled  havde  sögt
at  fortyske  Slesrig;  men  en  forstandig  Mand  begynder  ikke  at  indrette  sig
i  sit  hus,  för  han  er  bleven  Herre  i  det  og  det  Tillisch'ske  Provisorium
1850  —–1851  betöd  endnu  ikke,  at  vi  vare  selvraadende  i  Slesvig  (S.  177).
Und  dann  zum  Schluß  die  alle  geschichtlichen  Tatsachen  auf  den  Kopf  stellenden
Worte:  Vor  Stelling  til  Argel  1851  var  ganske  parallel  med  Preussernes  til

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