456  I.  Die  natlonale  und  sprachliche  Entwickelung  seit  1864.

früheren  Zustandes  ohne  weiteres;  auch  die  Städte  Hadersleben,  Apenrade
  und  Sonderburg  gewannen  alsbald  ihre  deutsche  Schulsprache  und
gemischt  deutsch-dänische  Kirchensprache  wieder.  Überall  aber,  wo  die
jütische  Mundart  sich  noch  in  größerem  Umfange  erhalten  hatte,  sollte
bei  der  Neuordnung  der  Sprachverhältulsse  der  Wunsch  der  Bevölkerung
  maßgebend  sein  und  eine  Abstimmung  der  Hausväter  darüber
entscheiden,  ob  die  Kirchen=  und  Schulsprache  deutsch  oder  dänisch  oder
die  Kirchensprache  noch  gemischt  sein  solle.  Die  Ergebnisse  dieser  Abstimmungen
  waren  im  hohen  Grade  bedeutsam  für  die  Stimmung  der
Bevölkerung.  Ohne  auf  die  Einzelheiten  näher  einzugehen,  heben  wir
nur  folgendes  hervor  1).  Von  den  6  Kirchspielen  der  Wiesharde  erklärten
sich  Wanderup  (mit  138  Stimmen),  Nordhacksted  (mit  142),  Großen
Wiehe  (mit  203),  Wallsbüll  (mit  77),  Handewith  (mit  187),  im  ganzen
747  Hausväter  für  die  deutsche,  19  für  die  dänische  und  3  für  beide
Sprachen;  allein  in  dem  Kirchspiel  Bau  entschieden  sich  damals  noch
176  für  dänische,  77  für  die  deutsche  und  49  für  beide  Sprachen.
In  den  10  ländlichen  Kirchspielen  des  gemischten  Distriktes  der  Proypstei
Tondern  gaben  1373  Hausväter  ihre  Stimmen  ab.  Davon  erklärten
sich  in  Aventoft  111  für  deutsche  Kirchensprache,  in  Humptrup  87,
in  Klixbüll  156,  in  Leck  267,  in  Süderlügum  158,  in  Braderup  109,
in  Karlum  88,  in  Ladelund  77  für  deutsche  Kirchen=  und  Schulsprache,
in  Medelby  82  für  deutsche,  95  für  gemischte,  7  für  dänische  Sprache
und  ebenso  in  Uberg  55  für  deutsche,  22  für  gemischte  und  2  für
dänische  Sprache;  im  ganzen  1190  Hausväter  für  deutsche  Kirchensprache,
  11  für  die  dänische,  171  für  deutsche  Kirchensprache  mit
däuischer  Nebensprache.  Für  ausschließlich  dänische  Kirchensprache  hatten
sich  nur  ganz  vereinzelte  Stimmen  in  4  Kirchspielen  entschieden,  und
von  den  171  Stimmen  für  dänische  Kirchensprache  neben  der  deutschen
fielen  allein  auf  das  Kirchspiel  Medelby  95.  Bezüglich  der  Schulsprache
  stimmten  im  ganzen  1254  für  deutsche,  15  für  dänische,  20  für
deutsche  mit  dänischer,  78  für  dänische  mit  deutscher,  nur  in  2  Kirchspielen
  Uberg  und  Medelby  trat  eine  erhebliche  Zahl  (z.  B.  in  Jardelund
  und  Seth)  für  gemischten  Schulunterricht  ein.  Aus  dieser  freien
Abstimmung  geht  hervor,  daß  selbst  in  Kirchspielen,  wo  das  Jütische

1)  Adler  84  ff.  Über  die  Abstimmung  in  Tondern  vergl.  oben  S.  317.