Deutscher  Berein  und  deutsche  Gottesdienste.  465

Man  gewinnt  kein  richtiges  Verständnis  für  die  Bildung  eines
Volkstums  und  für  dessen  eigentliches  Wesen,  wenn  man  nicht  auf  dem
Lande  die  Volksmundart  streng  von  der  Literatursprache  unterscheidet;
solange  man  auch  auf  deutscher  Seite  dieses  verkennt.  insbesondere
jütische  Mundart  und  dänische  Literatursprache  in  gleiche  Reihe  stellt,
d.  h.  völlig  den  nationaldänischen  Standpunkt  einnimmt,  nimmt  man
sich  selbst  die  beste  Waffe  aus  der  Hand,  mit  der  man  den  Vorwurf,
die  Muttersprache  zu  unterdrücken,  nur  allein  mit  Aussicht  auf  Erfolg
bekämpfen  kann.

Sieht  man  von  eigentlicher  Ansiedelung  ab,  die  von  dem  Röddinger
Verein  und  auch  seitens  der  Regierung  durch  Erwerbung  von  Höfen,  sowie
  durch  wirtschaftliche  Stärkung,  die  vor  allem  ein  weiteres  Vordringen
  des  Deutschtums  und  seine  Festigkeit  bedingt,  in  neuerer  Zeit
gefördert  wird,  so  kann  eine  sonstige  Germanisierung  einer  andersredenden
  Bevölkerung  nur  nach  bestimmten  Gesetzen  erfolgen,  und  wir  haben
diesen  natürlichen  Prozeß  bei  der  Verdeutschung  Angelns  und  Mittelschleswigs
  lennen  gelernt.  Schreitet  diese  Germanisierung  weiter  fort,
so  muß  sie  denselben  Gang  gehen,  den  die  geschichtliche  und  nationale
Entwickelung  des  Herzogtums  an  die  Hand  gibt.  Darum  beruht  auf
dem  platten  Lande  heutzutage  jeder  Fortschritt  zunächst  auf  der  Gesinnung,
  die  notwendigerweise,  wie  in  Angeln,  im  Laufe  der  Zeit
deutsche  Familiensprache  zur  Folge  hat.  In  dieser  Beziehung  hat
auch  der  Deutsche  Verein  mit  seinen  zahlreichen  (57),  über  das  ganze
Gebiet  verbreiteten  Ortsabteilungen  seit  seines  Bestehens  (19.  Nov.  1890)
neben  seiner  politischen  Arbeit  eine  segensreiche  Wirksamkeit  entfaltet  und
mehr  oder  weniger  an  den  verschiedensten  Punlten  der  deutschen  Sprache
und  Gesinnung  eine  Stätte  bereitet,  die  sich,  von  den  politischen
Wahlen  abgesehen,  auch  sonst  geltend  machen.

Die  deutschen  Gottesdienste  nehmen  langsam,  aber  stetig  zu,  selbst
in  dem  nördlichsten  Kreise  #);  auch  die  Konfirmationen  zeigen,  wie  die

1)  Deutsche  Gottesdienste  waren  eingeführt  im  Jahre  1906:  1.  in  der
Propstei  Hadersleben  von  26  in  19  Kirchspielen,  noch  nicht  in  Fielstrup,
Maugstrup,  Aastrup,  Bierning,  Starup,  Grarup  und  Wonsbek;  Aller  und
Tyrstrup  haben  nur  deutsche  Abendmahlsgotiesdienste;  2.  in  der  Propstei
Törninglehn  von  24  in  19  Kirch'spielen;  3.  in  der  Propstei  Nordtondern
waren  von  30  Kirchspielen  7  rein  deutsch,  2  (Tondern  und  Hoyer)  vorwiegend

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Sach,  Das  Herzogtum  Schleswig.  III.