Die  Bedeutung  des  Niederdeutschen.  467

Dieser  Erscheinung  auf  kirchlichem  Gebiete  entsprechen  auch  in
gewisser  Beziehung  die  Ergebnisse  der  politischen  Reichstagswahlen;  in
weiten  Gebieten,  insbesondere  Mittelschleswigs,  hat  die  jütische  Mundart
  nicht  dänische  Gesinnung  im  Gefolge,  sondern  zahlreiche  Jütischredende
bekennen  sich  zum  Deutschtum.  Hier,  wo  dies  in  größerem  Maßstabe
hervortritt,  wird  auch  im  Laufe  der  Zeit  nach  dem  Beispiele  Angelns
und  nach  einem  allgemein  gültigen  natürlichen  Gesetz  ein  allmählicher
Sprachwechsel  zu  erwarten  sein.

Die  ganze  sprachgeschichtliche  Entwickelung  des  Herzogtums  legt
ein  redendes  Zeugnis  davon  ab,  daß  diese  deutsche  Gesinnung  in  der
Folge  auf  dem  platten  Lande  nur  in  der  Annahme  der  niederdeutschen
oder  plattdeutschen  Sprache  ihren  endgültigen  Ausdruck  finden  kann;
sie  ist  es  auch  allein,  die  eine  Germanisierung  für  alle  Zeit  zu  sichern
vermag.  Ebendarum  ist  die  Sprachgeschichte  Schleswigs  auch  heute
noch  eine  so  bedeutsame  Erscheinung,  weil  sie  sich  in  keiner  niederdeutschen
  Landschaft  in  solchem  Maße  wiederholt.  Ich  will  hier  nicht
sprechen  von  den  stetigen  Verlusten  des  friesischen  Sprachgebietes,  die,

bereits  80%  der  Kinder  in  den  Landschulen  des  Kreises  deutschen  und  nur
20%  dänischen  Religionsunterricht.  —  Für  den  Kreis  Hadersleben  haben  sich
die  Verhältnisse,  wie  folgt,  entwickelt:

Westlicher  Bezirk:  Cstlicher  Bezirk:
Gesamtzahl  rein  Gesamtzahl  lein
der  Schüler  Jahr  deutsch  der  Schüler  Jahr  deutsch

3679  1899  756
3697  1900  933
3724  1901  1276
3747  1902  1347  4029  1902  1240
3835  1903  1431
3917  1904  1550  4100  1904  1380
4035  1905  1718  4254  1905  1524

Demnach  ist  die  Zahl  der  Kinder  mit  rein  deutschem  Religiousunterricht
in  7  Jahren  im  westlichen  Bezirk  von  20%  auf  43%%  ,  im  östlichen  in  4  Jahren
von  31%  auf  36  %  der  Gesamtzahl  gestiegen.  —  Im  Kreise  Tondern  ist  außer
den  Enklaven  nur  in  Bülderup,  Bredebro  und  Söllsted  (in  letzterem  bis  Ostern
1906)  dänischer  Religiousunterricht  gewesen;  in  fast  allen  Schuleu  der  früheren
jütischen  Enklaven  ist  fakultativer  deutscher  Religionsnuterricht  eingerichtet,  der
langsam  an  Beteiligten  zunimmt.

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