470  1.  Die  nationale  und  sprachliche  Entwickelung  seit  1804.

Man  sieht  hier  an  einem  Beispiel  klar,  wie  sich  der  Sprachwechsel
  im  allgemeinen  durch  den  Übergang  von  „nur  dänisch  zur
Doppelsprache  und  von  dieser  zu  „nur  deutsch“  vollzieht.  Während
noch  1889  die  jütische  Mundart  ziemlich  stark  vertreten  war,  ist  sie
heute  mit  den  älteren  Leuten  meist  ins  Grab  gesunken;  jüngere  Leute
hört  man  fast  nie  mehr  sich  darin  unterhalten,  auch  von  den  Konfirmanden,
  die  in  früheren  Jahren  vor  dem  Beginn  des  Unterrichts
oft  ihre  Mundart  untereinander  sprachen,  wird  seit  langer  Zeit  kein
„dänisches“  Wort  mehr  vernommen.  Nur  in  Schafflund,  dem  nördlichsten
  Dorf  des  Kirchspiels,  das  einst  zu  dem  noch  stark  gemischten
Medelby  gehörte,  ist  das  Jütische  noch  in  einzelnen  Familien  erhalten,
aber  auch  hier,  wie  man  an  obiger  Tabelle  sieht,  in  raschem  Rückgange
gegen  das  Niederdeutsche  begriffen.  Als  ein  Gegenbild  dazu  diene  das
nördlich  von  der  eigentlichen  Sprachgrenze  liegende  Kirchspiel  Tingleff.
Hier  sind  besondere  Fortschritte  der  plattdeutschen  Sprache  noch  kaum
festzustellen.  Verschiedene  Familien  unter  den  Bahnbeamten  und  einige
wenige  Familien,  die  von  Süden  zugezogen  sind,  sprechen  plattdeutsch;
auch  lernen  elnige  dänisch(jütischhredende  Kinder  von  den  Plattdeutschen
etwas  Plattdeutsch  sprechen,  aber  umgekehrt  gibt  es  nicht  wenige  deutsche
Kinder,  die  von  den  andern  plattdänisch  (jütisch)  lernen.  In  einigen
Familien,  die  unter  sich  die  jütische  Mundart  reden,  wird  dagegen
mit  den  Kindern  hochdeutsch  gesprochen.  Die  Kenntnis  der  hochdeutschen
Sprache  nimmt  durch  Lesen  deutscher  Zeitungen  und  Bücher,  durch
ihren  Gebrauch  als  Schriftsprache  immer  mehr  zu,  und  bei  geselligen
Zusammenkünften  hört  man  fast  ausschließlich  nur  deutsche  Lieder  singen.
Die  deutschen  Gottesdienste,  15  an  der  Zahl,  werden  fast  ebenso  zahlreich
  besucht  wie  die  dänischen,  auch  findet  sich  eine  ganze  Anzahl  von
jütischredenden  Gemeindemitgliedern,  die  eine  deutsche  Predigt  versteht
und  den  deutschen  Gottesdienst  besucht.  Zur  Erläuterung  diene  eine  Zusaommenstellung
  der  Haussprache  der  Kinder  in  dieser  Gemeinde  aus
den  Jahren  1904  und  1905.  (Siehe  Tabelle  S.  471.)

Je  weiter  nach  Norden,  desto  weniger  tritt  noch  der  Einfluß
des  Niederdeutschen  hervor;  hier  lassen  sich  nur  einige  Momente  hervorheben,
  die  anscheinend  auf  eine  noch  in  ferner  Zukunft  liegende  Wendung
langsam  vorbereiten.  Während  es  um  1864  infolge  der  Auswanderung
der  Deutschen  und  Einwanderung  von  Dänen  oder  Jüten  auf  dem  Lande