472  J.  Die  nationale  und  sprachliche  Entwickelung  seit  1864.

geben  ihre  gewohnte  Sprache  nicht  zugunsten  der  jütischen  Mundart
hrer  Umgebung  auf;  alle,  insbesondere  die  Ansiedelungen  in  Scherrebek,
Bek  und  Umgebung,  im  ganzen  Amtsgerichtsbezirk  Rödding,  legen
hoffentlich  in  weiterer  Entwickelung  den  Grund  zu  jenem  Wesen,  das,
wie  einst  in  Angeln  und  noch  heute  an  den  Sprachgrenzen,  dem  Niederdeutschen
  zunächst  Gleichberechtigung  mit  dem  Jütischen  erringt  und
jenes  Holsteinertum  in  anderen  Formen  wieder  erneuert,  das  für
unseren  Norden  noch  bis  vor  sieben  Jahrzehnten  so  bezeichnend  war.
Freilich  sind  diese  Bezirke  von  dem  in  streng  niederdeutscher  Weise  in
der  Germanisierung  begriffenen  Mittelschleswig  durch  weite,  weniger
fruchtbare  und  für  den  deutschen  Einwanderer  wenig  anziehende  Heidelandschaften
  zu  weit  entfernt,  als  daß  beide  sich  in  absehbarer  Zeit
die  Hand  reichen  könnten.  Um  eine  nähere  Vorstellung  davon  zu
geben,  inwieweit  in  den  genannten  Orten  und  Bezirken  diese  Ansiedelungen
  auf  die  Sprachverhältnisse  bereits  eingewirkt  haben,  teile
ich  einige  statistische  Angaben  über  die  Muttersprache  der  Bewohner  und
die  Haussprache  der  Schullinder  mit:

Deutsche  im  Amtsbezirk  Rödding.')

a)  Amtliche  b)  Neue
Gemeinden  r—-  ’s  e)  usoe  )  mnm“*e
Iprache  1890
½%  %%
Brendstrup  .  .unter10  32,6  114  236
Dover  (mit  Wimtrup).  .  ,,  26,4  97  270
Endrupskov  (mit  Gessbrorn  und
Nübbel).  .  ,,  15,2  37  206

dänischer  Seite  sucht  man  neuerdings  die  stetig  steigenden  Verluste,  besonders
im  Wesien,  durch  Heranziehung  von  jüngeren  Landwirten  aus  Alsen  und  dem
Sundewitt  zu  ersetzen,  da  ein  Zuzug  aus  Jütland,  wie  er  in  älteren  Zeiten
in  großem  Maßstabe  stattfand,  heute  bis  auf  ganz  vereinzelte  Ausnahmen  so
gut  wie  ausgeschlossen  ist.

1)  Nach  Langhans  a.  a.  O.  Da  nach  Urteil  Ortskundiger  auch  die  Zahlen
der  1890er  Sprachzählung  nicht  die  Deutschsprechenden,  sondern  die  Deutschgesinnten
  angeben,  nimmt  auf  lettere  auch  die  99er  Zählung  Bezug.  Der
Unterschied  ist  aber  nur  gering,  so  daß  die  Zahlen  auch  für  die  Beurteilung  der
Sprachverhälmisse  von  Wert  bleiben.