k.  Nückblick  und  Ausbleck.  481

In  den  meisten  der  aufgeführten  Ortschaften,  insbesondere  in  den
früheren  jütischen  Enklaven,  hat,  wie  man  sieht,  die  jütische  Mundart,
hier  auch  mit  dänischer  Gesinnung  verbunden,  einen  sicheren  Stand.
Aventoft  (Abt.  II,  212)  erscheint  ganz  dem  Friesentum  verloren;  in
einzelnen  Gemeinden  wie  im  Schulbezirk  Norderlügum,  in  Ellum,  Dravit,
Dahler  u.  a.  findet  sich  kein  Kind  mit  deutscher  Haussprache.  Das
Niederdeutsche  macht  sich  stark  in  Rodenäs  geltend;  inwieweit  es  sonst
verbreitet  ist,  läßt  sich  nicht  feststellen,  da  die  Aufnahmen  nur  selten
die  Mundart  von  der  Literatursprache  unterscheiden.  Anzunehmen  ist
aber,  daß  es  mehrfach  neben  dem  Hochdeutschen  vertreten  ist.

K.  Rüchblich  und  Ausblick.

Wir  haben  einen  langen  Weg  zurückgelegt,  die  ethnographische
und  nationale  Geschichte  des  Herzogtums  in  ihrer  stufenweisen  Entwickelung
  darzulegen  gesucht.  Die  anglisch-warnische  Zeit,  die  für  eine
geschichtliche  Betrachtung  des  Landes  am  frühesten  in  Betracht  kommt,
liegt  größtenteils  in  den  hinterlassenen  Grabstätten  und  Urnenfriedhöfen
verborgen  und  wartet  auf  Grund  eines  umsassenden  Materials  noch
einer  weiteren  kulturhistorischen  Bearbeitung;  geschichtlich  und  sprachlich
hat  sie  auf  dem  Festlande  nur  in  einigen  wenigen  Namen  dauernde
Spuren  und  daneben  in  den  Bewohnern  der  drei  Geestinseln  der  Nordsee
  wahrscheinlich  alte  Stammesgenossen  zurückgelassen.  Jüten  kamen
daun  von  Nordwesten  her  und  besetzten  in  langsamem,  mehrere  Jahrhunderte
  lang  dauerndem  Vordringen  mit  ihren  Harden  nach  altgermanischer
  Weise  das  verlassene  Land,  rodeten  im  waldreichen  Osten
und  füllten  ihn  mit  ihren  eigenartigen  Siedelungen.  Gleichzeitig,
jedenfalls  nicht  viel  später,  gründeten  die  Friesen,  von  Westen  her  über
das  Meer  sahrend,  auf  den  westlichen  Marschinseln  und  in  den  Festlandsmarschen
  ihre  Werften,  ihre  Wurten,  ihre  Heime  und  schlossen
sich  gleichfalls  in  Harden  zusammen.  Beide  Völkerstämme,  jeder  mit
einem  besonderen  Volkstum,  vermochten  aber  nicht  auf  die  Dauer  ihre
Selbständigkeit  zu  behaupten  und,  unbeeinflußt  von  mächigen  Nach-Sach,

  Das  Herzogtum  Schleswig.  III.