K.  Rückblic  und  Ausblick.  483

Herzöge  selbst  folgten  diesem  Zuge,  traten  in  enge  Verbindung  mit
den  norddeutschen  Fürsten  und  förderten,  daß  die  holsteinischen  Grafen
samt  ihren  Rittern  festen  Fuß  im  Süden  des  Landes  faßten,  in  dem
Gebiete  zwischen  Schlei  und  Eider,  das  deswegen  späterhin  und  noch
bis  ins  vorige  Jahrhundert  hinein  vielfach  zu  Holstein  gerechnet  ward.
Der  Gegensatz  und  der  Kampf  der  beiden  Nationalitäten,  der  lange
die  ganze  südliche  Hälfte  der  Halbinsel  beherrscht  hatte,  zog  sich  immer
mehr  auf  die  Grenzen  des  Herzogtums  zurück.  Zuletzt  ward  selbst
der  ganze  Norden  Deutschlands  und  Europas  in  diese  Bewegung  hineingerissen,
  aber  die  wichtigste  Entscheidung,  die  die  dauerndsten  Folgen
haben  sollte,  fiel  innerhalb  der  Grenzen  des  schleswigschen  Landes.
Das  Deutschtum  gelangte  hier  zum  völligen  Siege.

Damit  beginnt  dann  der  übermächtige  Einfluß  des  niedersächsischen
Volkstums  sich  geltend  zu  machen;  die  niederdeutsche  Sprache  hält
ihren  Einzug  in  die  mehr  und  mehr  aufblühenden  Städte,  deren  Namen
sich  in  der  Folge  bald  in  niederdeutsche  Formen  wandeln.  Von  der
Macht  der  Hansa  getragen,  als  Sprache  des  Handels  und  des  Verkehrs,
  als  Sprache  einer  höheren  Bildung  beherrscht  sie  bald  Stadt  und
Land.  Hatten  ehemals  eigentliche  niederdeutsche  Siedelungen  nur  auf
dem  Lande  südlich  von  der  Schlei  stattgefunden,  so  bildeten  sich  jetzt
mit  der  Einwanderung  von  Handwerkern  aller  Art  in  den  Städten
niederdeutsche  Kolonien,  die  ihr  Volkstum  nach  heimischer  Weise  in
Zünften,  Gilden  und  Beliebungen  mancherlei  Art  gestalteten,  an  Maigrafenfesten
  sich  vergnügten  und  sich  des  neuaufgerichteten  Rolands
auf  den  Marktplätzen  erfreuten.  Ihre  Sprache  ward  bald  zur  herrschenden
  Amtssprache,  und  die  lateinischen  und  jütischen  Stadtrechte
nahmen  nach  und  nach  ihr  Gewand  an.  Vor  ihr  wich  allmählich  das
jütische  Volkstum  zurück,  seine  Laute  begannen  stiller  zu  werden,  wenn
auch  nicht  ganz  zu  verstummen.  Aber  überall,  selbst  da,  wo  es  nach  und
nach  gänzlich  verschwand,  ließ  es  in  Rechtssatzungen,  Einrichtungen,  Gilden,
in  Namen  von  Straßen  und  Plätzen  dauernde  Spuren  zurück,.  die  noch  heute
davon  zeugen,  wie  stark  es  einst  sein  Wesen  dem  Lande  eingeprägt  hatte.

Die  schauenburgischen  Grafen  waren  die  Vertreter  dieses  neuen
Volkstums,  besonders  seitdem  sie  auf  schleswigschem  Boden,  in  Gottorp,
ihre  Residenz  aufgeschlagen  hatten,  und  auch  die  oldenburgischen  Landesfürsten
  folgten  diesem  allgemeinen  Zuge  jener  Zeit.  Je  fester  die

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