K.  Nuchlick  und  Ausblick.  487

nehmen  und  in  zäher  Ausdauer  von  Geschlecht  zu  Geschlecht  auch  weiterhin
  still  und  geräuschlos  lösen  wird.

Im  Volke  geht  die  Sage  um,  es  habe  einst  ein  jütischer  König
in  einer  „Aue“  einen  Schatz  verborgen;  wer  ihn  hebe,  werde  auch  in
einem  Zauberwort  ein  Mittel  finden,  Land  und  Leute  zu  gewinnen.
Als  er  ohne  Erben  starb,  da  kamen  seine  nachbarlichen  Vettern,  ein
Däne  und  ein  Deutscher,  rasch  herbei,  um  zu  dem  Schatze  zu  gelangen.
  Sie  fanden  endlich  ein  Gefäß  mit  reicher  Zier,  erblickten  zwei
bewehrte  Männer,  jeden  in  besonderer  Tracht,  die  unter  einem  Riesenbaume
  sich  die  Hände  reichten,  und  viele  Kämpfer  abgebildet  mit  Helm
und  Haube,  Mützen  gar  und  Schirmen;  auch  ein  Schiff  erkannte  man,
das  hell  in  Feuer  stand,  ja  Wälle  selbst  und  Werke  mit  gewaltigen
Rohren,  zertrümmert  und  verlassen,  doch  sie  konnten  sich  die  Bilder
nimmer  deuten.  Drinnen  im  Gefäße  fanden  sie  alsbald  ein  Blatt,
drauf  lasen  sie,  in  Runenschrift  geschrieben,  allein  die  beiden  Worte:
din  tung!  Lange  standen  sie  noch  sinnend  da  und  suchten  doch  vergeblich
  nach  der  Deutung  des  geheimnisvollen  Zauberwortes.  Endlich
riefen  sie  die  Weisen  ihrer  Lande  dort  zusammen  und  fragten  sie  um  Rat,
und  diese  sagten:  „Land  und  Leute  wird  gewinnen,  wer  am  weitesten
wird  strecken  können  seine  Zunge  über  Land  und  Meer.“  So  zogen
sie  nach  einem  Hügel,  wo  eine  „Bankt  errichtet  stand  und  eine  weite
Ausschau  war  nach  Süden  über  Meer  und  Land.

Da  reckte  dann  zuerst  der  Deutsche  seine  Zunge  aus  und  sieh',  sie
trug  an  ihrer  Spitze  ein  blutig  Malj  sie  reichte  über  blutgetränkter
Felder  „Anbau“"  nach  einem  „langen  See“,  den  Tränen  füllten,  bis
zu  einer  „Burg  am  Meerestor",  wo  zwei  der  Krieger  sich  im  Kampfe
maßen,  und  rührte,  leise  zitternd,  ihre  Trümmer  an;  dann  zgog  sie
weiter  über  platte  Lande,  wo  framer  Leute  Ruf  aus  „Holz  und  Hain“
erscholl,  und  langte  bis  an  ein  Gebirge,  wo  sie  lauter  „Leben  wieder
fand;  doch  sog  sie  nicht  au  fremden  Blüten,  die  sie  in  Eitelkeit  verlocken
  wollten,  erquickte  sich  an  einem  frischen  Quell,  der  nah  an
einem  „weißen  Berge“  sprudelnd  redete  und  laut  und  immer  lauter  redete,
bis  aller  Menschen  Ohr  davon  erfüllet  ward.  Aus  diesem  mütterlichen
  Born  vernarbte  ihre  alte  Wunde,  daß  ihre  Stimme  wieder
rückwärts  hell  und  klar  ertönte,  wleder  fröhlich  redete  in  einem
trauten  „Winkel",  darinnen  Milch  und  Honig  fleußt,  und  weiter