— 134 — Fracht-, Post= und Dampfwagen nach einander, gehen heute noch nebeneinander hin und mögen ausdrücken, daß Plauen das Herz des Vogtlandes geworden ist, aus und nach dem ein lebensvoller Verkehr des Vogtlandes strömt. 5. Nach den Stätten, die der Industrie, dem Handel und Verkehre Plauens gewidmet sind, gedenken wir nun noch zweier Gebäude, die der städtischen oder staatlichen Verwaltung dienen. Das erste ist das Rathaus der Stadt, das in der Mitte des 16. Jahrhunderts am Altmarkte erbaut wurde. Das Wappen am Vorbau des vorderen Giebels zeigt uns einen getürmten Festungs- bau und will uns erzählen, daß Plauen einst mit Graben und Wall umzingelt war. Am Giebel selbst fesselt unsere Aufmerksamkeit eine kunstreiche Uhr, an der zwei Löwen die Viertelstunden auf einer Glocke anschlagen, die zwischen ihnen hängt. Eine Kugel aber, die aus einer blauen und einer vergoldeten Hälfte besteht, zeigt durch ihre Drehung die Zu= und Abnahme des Mondes für jeden Tag des Monats an. In diesem Rathause, dessen Wappen, Kunstuhr und Mondkugel früher die Bewunderung der Fremden erregten, hat die städtische Verwaltung ihren Sitz, die unablässig für Hebung des Gemeindewohles bestrebt ist. Das zweite wichtige Gebände Plauens ist das alte Schloß, dessen Schicksale ganz eng mit denen der Stadt verflochten sind. Noch heutigen Tages wird es „Hradschin" genannt und gibt sich damit als eine „Bergfeste“ zu erkennen, die von den Slaven vielleicht schon vor tansend Jahren an der Elster gegründet worden ist. Im 13. Jahrhunderte wurde das neuerbaute Schloß zum Sitze der Vögte des Elsterlandes erhoben, die sich nun gern „Herren von Plauen“ nannten. Schrecklich haben dann im 15. Jahrhundert (25. Jan. 1430) in seinen Räumen die Hussiten gewütet, die gegen das gegebene Wort schonungslos Bürger, Geistliche und Edelleute töteten. Im 16. Jahrhunderte wurde es selbst einmal von den vogtländischen Bauern erfolglos belagert, die sich gegen ihre Herren empört hatten. Bald darauf beherbergte es in Kaiser Karl V. seinen höchsten Gast. Gegenwärtig ist es der Sitz eines Amts= und Landgerichts geworden, welche beide in den kleineren oder größeren Streitsachen der vogtländischen Bauern oder Bürger das Rechtsurteil zu sprechen haben. Das Rathaus hat demnach mehr eine friedliche, das Schloß eine kriegerische Vergangenheit hinter sich. Beide aber wollen heute vereint das Wohl der Stadt Plauen und des ganzen vogtländischen Kreises fördern. 6. Um die schöne Stadt Plauen und die anmutige vogtländische Landschaft endlich noch einmal zu überblicken, besteigen wir den Kemmler, den höchsten und schönsten Berggipfel in der Nähe der Stadt, der sich 3 Stunden von ihr im Südosten erhebt. Das gewölbte Haupt des Berges ist mit verwittertem Grünsteine bedeckt, aber es gewährt uns von dem Bismarckturme aus ein herrliches