oder  erst  in  der  Schule  oder  gar  überhaupt  nicht  mehr.  lernt;
ob  unsere  Sprache  für  ihn  die  Muttersprache  ist,  bei  deren
Klang  ihm  wohler  ums  Herz  wird,  oder  eine  fremde,  allenfalls
auf  der  Schule  noch  gelernte  Sprache,  die  sein  Gemttt  kalt  läßt.
Unser  elsässischer  Dichter  Adolf  Stöber  hat  einst  gesungen:
Muttersprache  deutschen  Aanzes,
r“  wie  hängt  mein  Sinn  an
Des  Gebetes  und  Gesanges
Geicge  Laute  gabst  du  mir.
Sollt  ich  deine  Fülle  missen,
ach  mich  kränkte  der  Verlust
wie  ein  Kind,  das  man  gerissen
von  der  warmen  Mutterbrust.“

t  Als  er  diese  Worte  sang,  gab  es  leider  im  Elsaß  schon  sehr
viele  Landsleute,  die  diese  Fülle  ohne  Schmerzen  gemißt  hätten.
Unsere  Polen  und  Tschechen  und  wie  die  Geguer  unseres  Volkstums
  alle  heißen  mögen,  sind  für  sie  ein  beschämendes  Beispiel.
Die  vornehmen  Elsässer,  besonders  die  vornehmen  Damen,
äfften  nicht  nur  französische  Kleidermoden,  sondern  auch
welsche  Sprache  nach,  wie  das  übrigens  auch  in  Deutschland
seinerzeit  Mode  war.  Am  meisten  wurde  das  Deutsche  naturgemäß
  noch  in  den  evangelischen  Pfarrhäusern  und  Gemeinden
gepflegt,  die  ihre  Bibel  in  Luthers  Sprache  lasen  und  deutsche
Kirchenlieder  sangen.

Um  der  französischen  Regierung  keiuen  Anlaß  zu  Argwohn

zu  geben,  verteidigte  man  die  gleichzeitige  Pflege  der  anestammten
  und  der  amtlichen  Sprache  mit  den  angeblichen
Vorieilen  der  Zweisprachigkeit  und  stellte  als  besondere
dem  Elsaß  von  der  Vorsehung  zugewiesene  Kulturaufgabe  das
Ideal  auf,  eine  geistige  Brücke  zwischen  zwei  Kultuwölkern
zu  sein.  Daneben  trat  aber  die  Mehrzahl  für  ein  restloses  Aufgehen
  des  Elsasses  im  französischen  Kulturleben  ein,  das  ihnen
als  Gipfel  aller  menschlichen  Gesittung  erschien,  und  empfahlen
den  Grundsatz:sacrifler  une  génération  et  franciser  à  tout  prix
(ein  Geschler  t  hinopfern  und  um  jeden  Preis  verwelschen)).
*)  Man  beachte  die  klare  Einsicht  über  den  Wert  der  uriiprachigkeit.
  von  der  der  Ausdruck  „sacrifier“  Kunde  gibt.  n  bedeutender
  elsässischer  Politiker,  der  diesen  Grundsatz  mit  besscbchte.
lberzeugung  vertrat,  und  der  dann  nach  dem  Krieg  nach  Frankreich
auswanderte  und  dort  eine  der  bedeutendsten  Zeitungen  herausgab
den  Teups,  wenn  ich  mich  recht  erimeiere),  äußerte  beim  Abschied:

Lesiias  TIleile  Mein.  jetzt  verstorbener,  Gewährsmann.  #r  mir

in  meiner  Studenienzei  erzählte,  selbst  ein  warmer  Vertreter  —
clenideals,  gab  diese  selot  gehörten  Worte  als  eine  unbegreifliche

Nerkotrdigkeit  zum  Besten