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unseren  höheren  Schulen,  die  es  keinem  schenken,—doch  einigermaßen
  kann,  da  müsse  etwas  im  Kopf  nicht  ganz  richtig  sein!
Leider  fehlt  über  die  jährliche  Zunahme  dieser  Unsitte

jede  Statistik,  da  die  Bolkszählungsbeamten  auch  da  deutsche
Sprache  einschreiben,  wo  die  Leute  ausdrücklich  sich  dagegen
verwahren,  und  jeden  als  deutschsprachig  eintragen,  der  sich  auf
deutsch  noch  verständigen  kann.“)  Daß  die  einst  besonders  durch
den  Protest  geförderte  Unsittesich  seitherimmer  weiter  ausbreitet,
kann  aber  nicht  im  geringsten  zweifelhaft  sein.  Es  gibt  sogar
reiche  Bauerndörfer,  wo  vor  1870  kein  Mensch  daran  gedacht
hätte,  mit  seinen  Kindern  französisch  zu  reden,  und  wo  dies
heute  als  selbstverständliches  Zeichen  der  Wohlhabenheit  und
der  Bildung  betrachtet  wird.  Wem  es  die  Mittel  irgendwie  erlauben,
  der  tut  seine  Töchter  einige  Zeit  über  die  Grenze,  damit
sie  es  später  selbst  besser  üben  können,  als  es  an  ihnen  selbst
eschehen  ist.  Aus  allen  Teilen  des  Landes  strömen  Mädchen
renweise  nach  Frankreich,  nicht  nur  weil  man  dort  mehr
verdient,  sondern  um,  wie  sie  sagen,  „die  Sprache“  zu  lernen,
als  ob  sie  von  Haus  aus  keine  hätten.  Auch  solche,  die  es  für
tief  unter  ihrem  Stand  halten  würden,  im  Elsaß  eine  Dienststelle
  anzunehmen,  lassen  sich  dies  in  Frankreich  um  der  Sprache
willen  gefallen.  Ubrigeus  leisten  die  Pensionate  im  Land  fast
denselben  Dienst  wie  ein  Aufenthalt  in  Frankreich,  da  sie  ohne

*)  Ebensowenig  liegt  leider  eine  Statistik  über  die  Zunahme
kirchlicher  Handlungen  in  französischer  Sprache  vor.  Ein  Amtsbruder,
den  ich  um  gesällige  Vermittlung  des  dazu  nötigen  Materials  aus
den  Kirchenbüchern  einer  ihm  benachbarten  Pfarrei  gebeten  hatte,  in
der,  wie  ich  bestimmt  weiß,  fronzösische  Hochzeiten  und  Beerdigungen,
vor  einigen  Jahrzehnten  dort  unerhört,  heute  immer  mehr  Mode
werden,  schrieb  mir,  eine  solche  Statistik  sei  darum  ausgeschlossen,
weil  sich  in  den  Kirchenbüchern  keine  Vermerke  über  die  angewandte
Sprache  sänden.  So  möge  dafür  als  Ersatz  eine  Bemerkung  aus
dem  kirchlichen  Amtsblatt  vom  27.  Augst  1907  über  die  zum  zweiten
Mal  ausgeschriebene  Pfarrstelle  in  Markirch  den  Bewerber,  der
sich  beim  erstmaligen  Ausschreiben  gemeldet  hatte,  wollte  der  Kirchenrat
  des  Ortes  nicht  —  hier  Platz  finden:  „Es  wird  gewünscht,  daß  die
Bewerber  der  französischen  Sprache  soweit  möchtig  seien,  um  sich
deren  gelegentlich  bei  Kasualreden  bedienen  zu  können".  Wenn  dao
Wort„Kaualreden“  nicht  dastünde,  könnte  man  an  Zuhörer  französischer
  Abkunst,  z.  B.  an  dahin  auagewanderte  Steintäler,  denken,
denen  Gottes  Wort  in  ihrer  Muttersprache  geboten  werden  soll.  Das
wäre  selbstverständlich  nur  zu  loben.  So  handelt  es  sich  aber  um  Leute,
die  entweder  den  deutschen  Sonntagsgottesdienst  verstehen  und  mit
der  Kafualsprache  nur  eine  Art  Luxus  treiben,  oder  die  nur  bei  Tausen,
Hochzeiten  und  Beerdigungen  sich  in  die  Kuche  verirren.  Um  derentwillen
  soll  dem  Psarrer  die  Last  einer  zweiten  geläusig  zu  sprechenden
Sprache  auferlegt  werden!  Und  so  was  erkennt  unsere  hochwürdige
Küchenbehörde  als  berechtigt  an  und  schreibt  daher  die  Stelle  zum
zweiten  Mal  aus!