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eine  Bibelausgabe  haben  wie  unser  Dienstinädchen?  Und  ist
er  mittlerweile  in  Frankreich  gewesen  zum  Erwerb  der  nötigen
Bildung,  um  sich  mit  seinem  eigenen  Kind  verständigen  zu
können?  Oder  hat  ihm  vielleicht  seine  bessere  Hälfte  zu  Hause
Privatstunden  gegeben?  Na,  wie  dem  auch  sei,  ich  will  zur
Rettung  der  Ehre  meines  Standes,  dessen  Bildung  wieder
einmal  gegen  die  Pensionatsbildung  den  Kürzeren  gezogen
hat,  noch  ein  letztes  Mittel  versuchen;  vielleicht  glückt  ihm  die
Aufklärung  über  den  wahren  Sachverhalt  besser  als  dem  Apostel
Paulus.  Und  so  übersandte  ich  ihm  die  Schrift  des  berühmten,
kürzlich  verstorbenen,  Newenarztes  Dr.  Möbius  „Über  den
fysiologischen  Schwachsinn  des  Weibes“.  Leider  muß  ich  der
Versammlung  die  betrübende  Mitteilung  machen,  daß,  nach
der  Empfangsbescheinigung  zu  schließen,  auch  diese  Arznei
gegen  die  elsässische  Bildungsseuche  nicht  angeschlagen  hat.
Sie  lachen,  meine  Herren,  und  ich  würde  mitlachen,  oder
richtiger  gesagt,  ich  hätte  lieber  über  den  Fall  den  Mantel
christlicher  Liebe  gedeckt,  wenn  ich  Ihnen  damit  nicht  die  Vorgänge
  in  hunderten  und  tausenden  von  elsässischen  Häusern
gezeichnet  hätte.  Die  Einzelheiten  wechseln  von  Fall  zu  Fall,
aber  die  Sache  ist  immer  dieselbe.  Die  wenigsten  solcher  Häuser
sind  Pfarrhäuser,  wenn  es  auch  in  den  meisten  Pfarrhäusern
ähnlich  zugeht.  Die  wenigsten  evangelischen  Pfarrer  wissen
heute  noch  die  Ehre  zu  schätzen,  in  Luthers  Sprache  Gottes
Wort  verkünden  zu  dürfen,  sie  ziehen  für  ihr  Haus  die  „  Sprache
Ludwigs  XIV.  vor.  Nicht  immer  hat  gerade  die  Frau  des
Hauses  den  Bildungsschwindel  auf  dem  Gewissen,  manchmal
ist's  die  Mutter,  die  den  Hausherrn  bereits  darin  erzogen  hat,
manchmal  auch  bie  Schwiegermutter.“)  Ein  Fall  ist  mir  bekannt,
da  sagte  die  junge  Frau:  „Ich  kanns  ja  nicht  ordentlich,  mein
Mann  kann's  noch  weniger,  aber  die  Tante  hat's  gewünscht.“““)

*)  Ein  junger  Familienvater,  der  als  Student  wegen  seiner
„schowinistisch“  deutschen  Gesinnung  öfter  Krach  hatte,  wehrte  sich
lange  gegen  den  weiblichen  Juspruch  in  seinem  Hause.  Nun  begieng
er  einmal  die  Unvorsichtigkeit,  einen  französischen  Satz,  den  er
gehört  h  hatte,  wörtlich  anzuführen.  Seine  Schwiegermutter,  eine

ehrerwitwe,  die  das  hörte,  fand  nicht  genug  Worte,  seine  „herrliche
französische  Aussprache“  zu  bewundern  und  zu  betonen,  wie  unsagbar
  schade  es  sei,  daß  er  dies  so  helle  Licht  unter  den  Scheffel
stellen  und  sich  als  ungebildet  von  der  Welt  verachten  lassen  wolle,
während  es  ihm  doch  so  leicht  wäre,  den  Verächtern  zu  zeigen,  daß  er
ihnen  nicht  nur  ebenbürtig,  sondern  sogar  überlegen  sei.  Diese

Weiberlist  siegte.  Der  Herr  Schwiegersohn  benahm  sich  von  Stund
an  gebildet“,  so  daß  sie  ihn  in  jeder  Gesellschaft,  ohne  sich  seiner
schämen  zu  müssen,  sehen  lassen  durfte.

*  Übrigens  für  das  Deukvermögen  unserer  Bildungs-=schwindler
  ein  zwingender  Beweis  für  die  sittliche  Notwendigkeit
des  neuen  Bundesstaale,  der  vor  allem  dafür  zu  sorgen  hätte,  daß